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FraZ in der Presse

Zeitungsartikel über und mit uns

von 2020 bis heute

WKZ 31.5.2025 Sehnsucht nach Freiheit - Lesung durch die Autorin Gül Güzel

Sehnsucht nach Freiheit

Amtsblatt 10.4.2025 Verein feiert 30. Jahrestag seiner Gründung

FraZ Jubiläumsfeier 30Jahre StKu

WKZ 5.4.2025 Jubiläumsfeier 30 Jahre FraZ

FraZ Jubiläumsfeier 30Jahre

WKZ 25.1.2025 Omas gegen rechts klären auf

Omas gegen rechts

WKZ 2.11.2024 Martinimarkt 2024 - FraZ-Café

Martinimarkt 2024

ZVW Online 28.6.2024 Altstadtfest: Mitmachprogramm KARO

Altstadtfest 2024

WKZ 1.5.2024 Muttertag: Blumen, Gleichbereichtigung - beides?

Martinimartk 2024

WKZ 25.4.2024 FraZ Gratis Flohmarkt von Frauen für Frauen

Gratis Flohmarkt 2024
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung, 25.4.2024  

Gratis-Flohmarkt für Frauen von Frauen

Organisiert vom Fraz-Team am kommenden Samstag, 27. April, im Karo-Familienzentrum ab 12 Uhr / Warenannahme von 10 bis 11 Uhr

VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED
DIANA FEUERSTEIN

Waiblingen.

Eva-Marie Fessmann und Gabriele Modi halten ein großes Plakat in die Höhe: „Damit wollen wir unseren Fraz-Gratis-Flohmarkt bewerben“, meint Eva-Marie Fessmann, „das hängen wir gleich noch unten im Eingangsbereich des Karo-Familienzentrums auf.“

Am kommenden Samstag, 27. April, ist es wieder so weit. Da werden im Eingangsbereich des Karo von 12 bis 14 Uhr sämtliche Dinge angeboten, die „frau“ so gebrauchen kann oder auch ihre Kinder. Das Besondere: Die meisten Dinge sind umsonst. Nur ein kleiner Teil an hochwertigen Gegenständen wie Schmuck soll gegen eine Spende abgegeben werden. Gesammelt wird für das Kinder- und Jugendhospiz Sternentraum in Backnang.

Ob Tücher, Taschen, Hüte, Modeschmuck, Geschirr, Dekoartikel, Kinderbücher oder Spielsachen - dies soll alles beim Gratis-Flohmarkt vorhanden sein. Kleidungsstücke soll es keine geben. „Das würde unseren Rahmen sprengen“, so Fessmann. Ebenfalls soll keine Elektronik angeboten werden, da man nicht überprüfen könne, ob die Geräte tatsächlich funktionieren.

Wer genug von dem Trubel unten im Erdgeschoss hat, kann sich im Fraz-Raum im zweiten Obergeschoss bei einer Tasse Kaffee und einem Stück selbst gebackenem Kuchen zurücklehnen und die Seele baumeln lassen. Beides wird gegen eine Spende für den Fraz-Verein abgegeben. Fraz steht für „Frauen im Zentrum“.

Warenannahme im Karo-Familienzentrum zwischen 10 und 11 Uhr

Im Nebenraum, dem Fraz-Büro, stapeln sich bereits einige Kisten mit Sachspenden, die Freunde der ehrenamtlichen Helferinnen im abgegeben haben. Auf der Fensterbank stehen Pflänzchen mit einem Zettel versehen, auf dem „Flohmarkt-Pflanzen“ zu lesen ist. Weitere Sachspenden werden am Samstagvormittag zwischen 10 und 11 Uhr an der Karo-Eingangstür entgegengenommen. Jeder, der Lust hat, kann spenden. Angenommen werden modische Dinge, „die man selber noch tragen würde“, betont Gabriele Modi. „Es muss alles in Ordnung sein“, fügt Eva-Marie Fessmann hinzu.

Verteilt werden die gespendeten Dinge auf Tische, wobei das Helferteam alle Tische aufstellen möchte, die es im Erdgeschoss findet, was wiederum auch für eine besondere Atmosphäre sorgen würde. „Das Sortieren ist sehr aufwendig, da wir die Sachen vorher anschauen, Stück für Stück, um sie dann auf die entsprechenden Tische zu verteilen“, sagt Tina Greiner vom Fraz-Team. Eva-Marie Fessmann will Schildchen basteln, auf denen das Warenangebot beschrieben wird.

Schon einmal hat das Fraz-Team einen solchen Gratis-Flohmarkt organisiert. Und der war ein großer Erfolg, sind sich alle Beteiligten einig. Am Ende war nur noch ein Tablett mit ein paar übrig gebliebenen Dingen vorhanden. Für den Rest gab es die entsprechenden Abnehmer. „Wir würden uns sehr freuen, wenn es wieder so erfolgreich wird“, sagt Gabriele Modi. „Schön wäre es außerdem, wenn die eine oder andere Frau als Mitglied hängenbleibt“, sagt Eva-Marie Fessmann und lächelt.

Bei Interesse könnten die jeweiligen Frauen am Samstag auf die Helferinnen zugehen. Beim Fraz müsste man keine Vereinsarbeit leisten. Jeder packt an, wie er kann. Ein Antragsformular finden Interessierte auch in jedem Fraz-Programmheft. Die Besucher des vergangenen Gratis-Flohmarkts seien aus allen Altersklassen und mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gewesen. „Es war eine Gruppe Mädchen da, die gar nicht glauben konnte, dass alles umsonst ist“, erinnern sich die drei Frauen.

Den Begriff „gratis“ hätten sie ganz bewusst in das Plakat eingebaut, meint Eva-Marie Fessmann, da sie davon ausgehen, dass dieser von sehr vielen Menschen verstanden werde – auch von denen, die nicht so gut Deutsch sprechen würden. Das Angebot soll niederschwellig sein – im Sinne der Nachhaltigkeit und entgegen der Wegwerfmentalität vieler Leute.

„Der Gratis-Flohmarkt soll von Menschen für Menschen sein, von Frauen für Frauen“, sagt Tina Greiner.

Bildunterschrift:

Eva-Marie Fessmann und Gabriele Modi halten ein Plakat für den Fraz-Gratis-Flohmarkt in der Hand. Foto: Büttner

WKZ 2.2.2024 FraZ Strickcafé: Frauengespräche: Wenn Wolle verbindet

Strickcafe 2024
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung, 2.2.2024  

Frauengespräche: Wenn Wolle verbindet

Verrentete Kinderkrankenschwester, Bäckereiverkäuferin, Autokonzern-Angestellte: Beim Strickcafé tauschen Frauen Muster und Sorgen aus

VON UNSERER MITARBEITERIN
KATHARINA LEHLE

Waiblingen.

Halbfertig gestrickt war der Pullover von Brigitta Decker, als sie ihn endgültig beiseitelegen musste. „Ich sehe einfach nicht mehr genügend“, erklärt die 87-Jährige. Nun liegt das angefangene Maschenwerk in den Händen von Brigitte Halach. Beim Strickcafé der „Frauen im Zentrum“ (Fraz) setzt sie fort, was die Neustädterin nicht mehr vollenden kann. Brigitta Decker gesellt sich dennoch weiterhin zu der Runde, die sich alle zwei Wochen im Waiblinger Karo trifft.

Bis zu 17 Frauen kommen so - seit elf Jahren - regelmäßig zusammen. Stricknadeln und Wollknäuel gehören dann ebenso zum zweistündigen Nachmittag wie Hefezopf, Kekse, Apfelkuchen und eine Tasse Kaffee. „Ich stricke, seit ich …“, Brigitte Halach überlegt kurz und hält ihre Hand dann hüfthoch, „… acht oder neun Jahre alt bin.“ Zunächst Puppensachen und irgendwann die Pullover für ihren Mann. „Meine Mutter hat meine Schwester und mich früher mit gestrickten Sachen ausgestattet und mir vieles beigebracht“, berichtet die 77-Jährige, die den Strick-Treff seit fünf Jahren leitet.

Trotz jahrzehntelanger Erfahrung, auf die die meisten Damen dort zurückblicken, lernt man in diesem Hobby offensichtlich nie aus: „Wie mache ich da weiter? Wie kann ich das besser machen?“ Fragen wie diese, Tipps und Diskussionen prägen die Runde.

Anleitungsvideos schauen sie sich auch auf dem Smartphone an

Ab und zu hilft auch der Blick auf kostenlose Erklärvideos auf Youtube oder Pinterest-Anleitungen. Auch an diesem Nachmittag wird das Smartphone kurz gezückt und gemeinschaftlich geschaut, wie das Dreieckstuch mit Zackenrand gelingt. „Ich kriege es besser rein, wenn ich sehe, wie es gemacht wird“, sagt Conny Kraut, während ihre flinken Finger die grüne Wolle zu einer langsam erkennbaren Socke formen. Die 67-jährige Waiblingerin strickt eigentlich unaufhörlich. Selbst nach einem Sturz, der die Beweglichkeit ihrer Finger einschränkte, machte sie weiter - und merkte: „Das hilft.“ Stricken und Fernsehgucken sind für Conny Kraut und viele ihrer Stickkolleginnen ein gutes Paar: „Fernsehgucken ohne Stricken ist für mich verlorene Zeit“, meint Kraut.

Die Ergebnisse verkauft sie wie einige andere Teilnehmerinnen auf dem Waiblinger Martinimarkt. Mit Socken unterstützte die ehemalige Kinderkrankenschwester auch schon die Frühchen der Kinderklinik in Esslingen. „Ich mache gerne Sachen, die schwierig sind, umso mehr muss ich mich konzentrieren und kann entspannen“, berichtet Christine Brosch. Momentan sind es Zopf-, Waben- und Perlmuster, die sie von den Gedanken, die oft um die Arbeit bei einem großen Automobilkonzern kreisen, ablenken. Stricken ist für sie eine Auszeit: „Ich kann den Kopf ruhen lassen.“ Drei Monate wird es - unter anderem aufgrund der aufwendigen Musterkombination – wohl dauern, bis Kragen- und Schulterpartie um Ärmel, Bauch- und Rückenseite ergänzt sind. Die Farbe der Wahl: Salbei – unverkennbar ihre Lieblingsfarbe, wie ihr Outfit inklusive markantem Brillengestell verrät.

Rita Fodor strickt nur noch für andere: „Für mich brauche ich nichts mehr“, bekräftigt die 82-Jährige. Sie fertigt Kleidungsstücke, die später von einer örtlichen Pflegeeinrichtung in ein rumänisches Kinderheim gebracht werden. „Es ist mir ein Bedürfnis, etwas Gutes zu tun“, sagt die Frau aus Rommelshausen mit Tränen in den Augen.

Manchmal müssen auch die Alltagssorgen auf den mit Wollknäulen versehenen Kaffeetisch: Heike Kreitlow etwa sucht dringend eine neue Bleibe, weil der Vermieter das Haus, in dem sie wohnt, verkaufen möchte. Zwei, zweieinhalb Zimmer benötigt sie für sich. „Ich habe schon rumgefragt, aber leider konnte keiner weiterhelfen“, berichtet die 53-jährige Verkäuferin in einer Bäckerei. Sie schätzt am Strickcafé „den Ausgleich zum Alltag und die Hilfestellungen der anderen“.

Offen ist das Angebot für alle Frauen. Auch für jene, die nicht wissen, wie sie eine Masche anschlagen oder zu welcher Wolle sie greifen sollen. „Wir bringen das Handwerk auch von Anfang an bei“, versichert Brigitte Halach, die sich wie die anderen auch sehr über jungen Nachwuchs freuen würde.

Bildunterschrift:

Bis zu 17 Frauen kommen zum Fraz-Strickcafé in Waiblingen: Austausch gehört dazu. Junger Nachwuchs wäre willkommen. Foto: Büttner

Amtsblatt 28.9.2023 10 Jahre KARO

10 Jahre Karo

Amtsblatt 23.2.2023 Frauentag 2023 - Unabhängigkeit

Frauentag 2023

ZVW Online 22.3.2022 Mehr häusliche Gewalt seit der Corona-Pandemie

Gewalt gegen Frauen

ZVW Online 4.3.2022 Frauentag 2022 in Waiblingen

Frauentag

Amtsblatt 11.11.2021 Martinimarkt 2021: Gestricktes vom FraZ-Strickcafé

Martinimarkt
von 2010 bis 2019

WKZ 14.3.2018 Das FraZ stellt die Zukunftsfrage

Zukunftsfrage
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 14.3.2018  

Das Fraz stellt die Zukunftsfrage

Der Verein ist in die Jahre gekommen, Vorstandsfrauen ziehen sich zurück / Am 24. April ist Mitgliederversammlung

Von unserem Redaktionsmitglied Jutta Pöschko-Kopp

Waiblingen.
Es war ein starker Aufbruch, als 57 Frauen 1994 das Frauenzentrum (Fraz) gründeten. Um eigene Räume hatten sie gestritten, zu denen Männer keinen Zutritt haben sollten. Knapp 25 Jahre später sind die Frauen in die Jahre gekommen, junge Mitglieder fehlen ebenso wie zündende Ideen. Vorstands-Tandem Tina Greiner und Iris Braun werden als Vorsitzende nicht mehr zur Verfügung stehen. „Wir brauchen frischen Wind und jüngere Frauen“, sagt Iris Braun (49).„Wenn nichts passiert, sterben wir aus.“

Rechtsradikale Frauen, die ungleiche Bezahlung von Frauen bei gleichen Jobs, Argumentationstraining gegen rechte Sprüche, Frauen, die zur Kriegsbeute werden: Es sind fürwahr keine seichten Themen, die die Fraz-Frauen in ihren Jahresprogrammen zum Thema machen. Kritisch, politisch und wach sind sie noch immer, doch zu den Veranstaltungen kommt meistens dasselbe Häufchen Zuhörerinnen. Neue Mitglieder, junge zumal, kommen keine dazu. Wie bei den allermeisten Vereinen fehlt seit langem der Nachwuchs.

Die Vorstandsfrauen bitten um Denkanstöße

Nun haben Tina Greiner und Iris Braun die Reißleine gezogen. „Wir wollen / müssen uns bei der Mitfrauenversammlung konkret überlegen, wie es mit dem Fraz weitergeht, wie und ob das Fraz als Verein weiter existieren kann“, schreiben sie in einem Brief an die Mitglieder. Wie alle Vereine habe das Fraz das Problem, dass keine jüngeren Frauen dazustoßen und sich aktiv einbringen. Andererseits sei das Frauenzentrum aus der Waiblinger Vereinslandschaft nicht wegzudenken und werde sehr geschätzt. Was das Fraz ausmacht, welche Tätigkeiten dafür nötig sind, und wie die Arbeit und Verantwortung verteilt werden kann: Antworten dazu sollen bis zur Mitgliederversammlung am 24. April zusammengestellt werden, und dazu bitten die Vorstandsfrauen die rund 70 Mitglieder um Denkanstöße.

„Es ist mir ein großes Anliegen, zu prüfen, ob es das Fraz noch braucht“, sagt Tina Greiner. Reine Beitragszahlerinnen seien nicht genug. Dass es ohne frischen Wind und jüngere Frauen auf Dauer nicht gehen wird, meint auch Iris Braun. Beide sind bereit, je nach Ausgang der Mitgliederversammlung Konsequenzen zu ziehen: „Wenn sich zeigt, dass kein aktives Interesse da ist, plädiere ich dafür, in Freuden aufzuhören und den Raum im Karo weiterzugeben“,sagt Greiner, wohl wissend, dass der große und helle Fraz-Raum auch von anderen Gruppen genutzt werden würde. „Wir sind verlässliche Partnerinnen und machen gute Arbeit, aber der Pfiff fehlt“, meint Braun.

Seit knapp 25 Jahren gibt es das Frauenzentrum in Waiblingen. Entstanden ist es, als die Zeit der Gründungen schon abflaute, erinnert sich Tina Greiner. Die Frauen wollten einen Raum ohne Männer, für Diskussionen, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen und Treffen. Über dem Haushaltswarengeschäft Villinger-Zeller fanden die Frauen eine Wohnung, mit viel Platz für einen Cafébetrieb, für Bücherregale, Lesungen und kuschelige Ecken. 2007 war das Frauenzentrum in der Langen Straße indes zu groß geworden – oder anders gesagt, die Zahl der Frauen, die regelmäßig ins Fraz kamen, war zurückgegangen. Anfang 2008 begannen die Fraz-Frauen deshalb in der Hahnschen Mühle mit Schwung ein neues Kapitel, bis sie 2013 als eine der Hauptmieterinnen ins neue Familienzentrum Karo einzogen.

Von der Hälfte der Posten sind Frauen noch weit entfernt

Äußerlich ist das Frauenzentrum immer kleiner geworden, doch „die Themen sind nicht ausgegangen“, meint Iris Braun. „Im Gegenteil, wir machen Rückschritte.“ Frauenarmut, Kriege, sexuelle Gewalt gebe es heute wie früher. Und immer noch sind Frauen weit davon entfernt, die Hälfte der Ämter und Posten im öffentlichen Leben innezuhaben. Von den Jobs in den Vorstandsetagen der großen Firmen und ungleicher Bezahlung ganz zu schweigen. Neben politischen Fragen gibt es im Fraz aber auch Raum für andere Themen (Stichworte Kunstausstellungen, Flohmärkte, Kleidertauschbörsen) – man muss sie nur angehen, sagt Tina Greiner: „Wir müssen deutlich machen, Frauen, ihr könnt euch im Fraz austoben.“

Mitgliederversammlung am 24. April

  • Über die Zukunft des Fraz (Frauen imZentrum) diskutieren die Frauen bei ihrer Mitgliederversammlung am Dienstag, 24.April, 19 Uhr, im Karo.
  • Neuwahlen stehen auf der Tagesordnung, außerdem die Berichte des Vorstands. Dieser bestand bisher aus dem Vorstands-Tandem Tina Greiner und Iris Braun, Kassiererin Petra Bross und Schriftführerin Heidi Gröger.
  • Die meisten der Frauen im Fraz sind zwischen 50 und 70 Jahre alt, die jüngste ist 28, die älteste 86.
  • Vielleicht ist die Zeit der Frauenzentren abgelaufen“, überlegt Iris Braun. Alle Frauenzentren kämpften um ihr Fortbestehen, unter anderem auch das Frauenzentrum Sarah in Stuttgart.
  • Eine Chance fürs Fraz bestehe, wenn sich jüngere Frauen angesprochen fühlen. „Die Rahmenbedingungen sind optimal.“

WKZ 23.1.2017 Schokolade sollte alle glücklich machen

Schokolade sollte glücklich machen
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 23.1.2017  

Schokolade sollte alle glücklich machen

Matinee im Karo zum Thema „Faire Schokolade - was ist dran an der Macht der Verbraucher?“

VON UNSERER MITARBEITERIN NINA SOMMER

Waiblingen.
Immer noch schuften Millionen von Kakaobauern unter menschenunwürdigen Bedingungen für unseren Schokoladengenuss. Deshalb ist es wichtig, dass viele Menschen auf dieses Problem aufmerksam werden. Referentin Evelyn Bahn von Inkota erzählte am Sonntagmittag, wie Hunger bekämpft, Armut besiegt und Globalisierung gerecht gestaltet werden kann.

Was wäre ein Leben ohne Schokolade? Sie gehört zu den beliebtesten Süßigkeiten der Welt. Kakao ist dabei die wichtigste Zutat. 70 Prozent des weltweit angebauten Kakaos stammen aus westafrikanischen Ländern. Dort wird er vor allem von Kleinbauern produziert. Doch während eine Handvoll großer Kakao- und Schokoladenunternehmen den globalen Markt beherrscht und Milliardengewinne einstreicht, leben die meisten Kakaobauern am Rande ihrer Existenz. Unfaire Preise, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und katastrophale Umweltfolgen machen das Geschäft mit der Schokolade zu einem Genuss mit bitterem Beigeschmack. „An dieser Tatsache muss sich etwas ändern. Wir als Verbraucher haben es in der Hand. Der Druck auf die übermächtigen Unternehmen muss wachsen“, verlangt Evelyn Bahn, die als Referentin aus Berlin angereist ist. Sie und ihr Verein Inkota koordinieren die europäische Kampagne „Make Chocolate Fair!“

Referentin aus Berlin lobt das Engagement der Waiblinger

Mit vereinten Kräften fordern sie von den Schokoladenunternehmen die Übernahme sozialer und ökologischer Verantwortung für ihre Unternehmenspraxis, damit sich die Situation in den Kakaoanbauländern nachhaltig verbessert. Bereits seit Dezember informiert Inkota mit der Ausstellung „Süß & Bitter“ in der Stadtbücherei Waiblingen über die Thematik fair gehandelten Kakaos. „Wir sind beeindruckt von dem Engagement, das in Waiblingen zu spüren ist. Das Feedback von Ausstellungsbesuchern an uns war sehr positiv“, lobt Evelyn Bahn die Initiative der Waiblinger.

Auch Claudia Kramer-Neudorfer vom Verein Frauen im Zentrum (Fraz) sah Handlungsbedarf und lud Evelyn Bahn zur Matinee nach Waiblingen ein. Zunächst versüßten sich die rund 30 Gäste den Sonntagmittag im Karo mit einem Buffet aus Schokoladenkuchen, Mousse au Chocolat, Mini-Schokotafeln und Kaba - alles zubereitet aus fair gehandelter Schokolade aus dem Waiblinger Weltladen. Im Anschluss lauschten die interessierten Gäste dem einstündigen Vortrag von Evelyn Bahn, die die bitteren Seiten der Schokolade deutlich macht. „Ich finde es wichtig, sich zu informieren und einen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten. Heute können sich alle überzeugen, dass Schokolade aus dem Weltladen köstlich schmeckt“, preist die Organisatorin die süßen Versuchungen an.

Auch Sigrid Haller und ihre Freundin Renate Czurga sagen dazu nicht „Nein“ und gönnen sich ein Stück Schokotorte. Die 67-jährige Sigrid Haller arbeitet ehrenamtlich im Waiblinger Weltladen mit und kennt die fair gehandelten Produkte: „Das Angebot in unserem Laden ist groß, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.“ Das gute Gewissen gibt es dabei noch gratis dazu. Bei den Bildern, Videos und Zahlen, die Evelyn Bahn in ihrem Vortrag zeigt, ist das sicherlich von Vorteil, denn die Fakten sind verstörend. Besonders bedrückend sind die Szenen von Kindern, die kiloschwere Säcke mit Kakaobohnen von morgens bis abends über die Plantagen schleppen, anstatt zur Schule zu gehen.

Dabei sind gerade Kinder die Hauptzielgruppe der Schokoladenindustrie. Schokolade von Kindern für Kinder - so darf es nicht weitergehen. Nur durch den Kauf von fair gehandelter Schokolade und Druck auf die mächtigen Unternehmen wird sich etwas ändern. „Schreiben Sie dem Hersteller Ihrer Lieblingsschokolade doch mal eine E-Mail und fragen nach, wie viel Kinderarbeit in Ihrer Tafel steckt“, regt Evelyn Bahn erste Handlungsschritte an. Sie und die Gäste der Matinee sind sich sicher: Gemeinsam können wir es schaffen, dass Schokolade alle glücklich macht.

Bildunterschrift:

Niemand muss beim Genießen von Schokolade ein schlechtes Gewissen haben: Wer wie bei der Matinee im Karo auf fair gehandelte Produkte achtet, leistet seinen Beitrag für bessere Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt.
Bilder: Schneider


Jeder kann etwas tun

  • Vereine, Initiativen und Aktionsgruppen können Mitträger der Kampagne „Make chocolate fair!“ werden und mit ihrem Namen hinter den Forderungen der Kampagne stehen. Mehr Informationen hierzu gibt es unter www.de.makechoclatefair.org/mittraeger im Internet.
  • Auch der Kauf von zertifizierter Schokolade hilft: Am Donnerstag, 2. Februar, gibt es beim Abendverkauf bei Kerzenschein von 18 bis 22 Uhr im Waiblinger Weltladen einen starken Preisnachlass auf Winterware.
  • Für Wissenshungrige: Die Inkota-Ausstellung „Süß & Bitter“ kann noch bis einschließlich Freitag, 27. Januar, in der Stadtbücherei Waiblingen (Kurze Straße 24) besucht werden.
  • Mehr über die 1971 gegründete Initiative Inkota erfahren Sie unter www.inkota.de im Internet.

WKZ 17.3.2014 FraZ-Frauen-Kleiderbasar: Nicht lang überlegen - Kaufen!

Frauen-Kleiderbasar
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 17.3.2014  

Nicht lang überlegen – kaufen!

Kleiderbasar der Fraz-Frauen im Familienzentrum Karo / Der Großteil der Erlöse fließt in ein soziales Projekt

Von unserer Mitarbeiterin Nina Sommer

Zu eng, zu weit, ein Fehlkauf, nicht meine Farbe. Oder schlicht und einfach kein Platz mehr im Kleiderschrank - diese Probleme kennt wohl jede Frau. Abhilfe schaffte der Kleiderbasar für Frauen im Familienzentrum Karo. 13 Verkäuferinnen versetzten unzählige Frauen in einen Kaufrausch und sorgten für frühlingshafte Glücksgefühle.

Es ist ein Gedrängel und Gewusel im Gang des Familienzentrums Karo am alten Postplatz.Tisch an Tisch reiht sich aneinander.T-Shirts, Jacken, Hosen, Blusen, Kleider und sogar Büstenhalter liegen zum Verkauf bereit. Unter fragwürdigen Teilen aus längst vergangener Zeit befinden sich auch fast ungetragene Schätze. Diese zu bergen ist das Ziel der kauflustigen Damen.

Schnell fündig geworden:„Diese Hose nehme ich sofort“

Schuhe, Taschen, Accessoires – nichts fehlt, was das Frauenherz nicht höher schlagen lassen würde. Olivia Krawder ist schnell fündig geworden. „Diese Hose ist toll, die nehme ich sofort mit! Nun brauche ich noch ein passendes Oberteil“, erklärt die 38-Jährige aufgeregt, während sie sich durch einen Berg Blusen wühlt.

„Hier gibt es auch große Größen, die sind sonst so schwer zu finden“, freut sich die Waiblingerin. Zur Beratung hat sie ihre kleine Tochter und ihre Freundin dabei. Spiegel sind wegen Platzmangels rar. Völlig Fremde beginnen, sich gegenseitig Tipps und Ratschläge zu geben. „Nicht lange überlegen, sondern kaufen“, lautet die Devise. In der richtigen Kombination erstrahlen alte Kleidungsstücke plötzlich wieder in vollem Glanz. Manch eine Verkäuferin erweist sich als wahrer Basarprofi. Mit Werbeschildern auf Pappkarton werden zur Verkaufsförderung Schnäppchen angepriesen und Deals angeboten. „Nimm drei, zahl mit Liebe in jeder Masche.zwei“ und „Alles muss raus“ hallt es durch das Familienzentrum wie über einen Marktplatz.

Organisatorin und „Frauen im Zentrum“-Mitglied Gabriele Modi ist begeistert:„Mit so einem Ansturm haben wir garnicht gerechnet, aber wir freuen uns sehr.“ Der Basar hat Tradition bei den Fraz-Frauen. Seit zehn Jahren findet er zweimal im Jahr statt – einmal zum Herbst und einmal zum Frühling hin. „Ganz am Anfang musste eine Dreizimmerwohnung herhalten“, erinnert sich Gabriele Modi. Die letzten Jahre fand er in der katholischen Kirche statt. Dass er dieses Jahr im neuen Familienzentrum Karo die Pforten öffnet, freut diese ganz besonders. „Doch beim nächsten Basar müssen wir wohl noch eine weitere Etage nutzen, es ist einfach zu eng“, muss die 55-jährige Organisatorin eingestehen.

Handarbeit mit Liebe in jeder Masche

Dreizehn Frauen haben sich eine Verkaufsfläche von 2,5 Metern für 15 Euro gekauft und sind mit mehreren Kofferladungen Kleidung angereist. Der Großteil der Erlöse und die Einnahmen durch Kaffee und Kuchen sollen einem sozialen Projekt zugutekommen. Außerdem können so Lesungen und Dichterabende im Zentrum bezahlt werden. Eine weitere Einnahmequelle ist der Verkauf der Strick- und Häkelwaren der Frauen des „Strickcafés“. „Wir treffen uns alle zwei Wochen und stricken zusammen bei Kaffee und Kuchen“, erzählt Heike Kreitlow, die Socken, Handschuhe, Mützen und Puppenkleider an diesem Nachmittag verkaufen möchte. Das ist alles Handarbeit, mit Liebe in jeder Masche.

StKu 16.10.2014 20 Jahre FraZ: Es wird gefeiert - Drei Tage Lang

20 Jahre Fraz
Zeitungsartikel als Text

Stauferkurier 16.10.2014  

FraZ – Frauen im Zentrum seit 20 Jahren aktiv in Waiblingen

Es wird gefeiert – drei Tage lang

Das FraZ wird 20 jahre alt und das begehen die „Frauen im Zentrum“ am Wochenende mit einem drei Tage andauernden Jubiläumsfest. Im aktuellen Programmheft heißt es, dass einiges erfahren werden kann von der Gründung bis zur Gegenwart, Musik genossen werden kann und während einer kurzen Lesung von Frauen manches über Frauen gehört werden kann. Und es lässt sich leicht feststellen, mit wie viel Schwung die FraZ-Frauen auch nach 20 Jahren noch aktiv sind. Sie schreiben selbst: „Es geht weiter ...!“

Doch zuvor geht es erst einmal los: am Freitag, 17. Oktober, um 19 Uhr im Kameralamtskeller in der Langen Straße, denn dann gibt es zum 20-Jahr-Jubiläum auch Kulinarisches zum Probieren, orientalischen Tanz mit Ayla und eine Ausstellung von Marisol Simon. Fortgesetzt wird das Fest am Samstag, 18. Oktober, von 14.30 Uhr bis 16 Uhr im Familienzentrum KARO, Alter Postplatz 17, mit einer Benefizversteigerung: Aquarell- und Acrylbilder der Künstlerin Roswitha Oesterle kommen unter den Hammer. Ein Teil des Erlöses kommt dem FraZ zugute.

Eine Matinee mit Tee und zum Thema „Remstälerinnen machen Geschichte“ beendet den dreitägigen Reigen am Sonntag, 19. Oktober, von 11 Uhr bis 14 Uhr, ebenfalls im KARO. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Familienbildungsstätte angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt kostet fünf Euro, eine kleine Verköstigung ist darin enthalten.

Karin de la Roi-Frey, Schriftstellerin und historische Journalistin, gibt Einblicke in das Leben ungewöhnlicher Frauen wie zum Beispiel Berta Hess aus Waiblingen, die selbstbewusst ihr Leben in die Hand genommen haben.

WKZ 9.9.2011 Lernen, schlemmen, Träume deuten

Fraz-Programm
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 9.9.2011  

Lernen, schlemmen, Träume deuten

Das neue Programm der „Frauen im Zentrum“ (FraZ) Waiblingen ist erschienen

Waiblingen.

„Eine ganze Reihe von informativen, spannenden und Gute-Laune Veranstaltungen“ kündigen die Frauen im Zentrum (FraZ) in ihrem neuen, soeben erschienenen Programm an.

„Als Highlight“, so heißt es, gilt die gemeinsame Fahrt in die Niki de Saint Phalle-Ausstellung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall am Sonntag, 25. September. In einer großen Überblicksausstellung ist das Werk der vielseitigen Künstlerin Niki de Saint Phalle zu sehen, die „zweifellos zu den wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts gehört.“

„Arbeitsfrühstück mit Gewerkschafterinnen“

Mit ihren Gemälden, Assemblagen, Schießbildern, Skulpturen und fantastischen Architekturprojekten hat sie weltweit Anerkennung erhalten. Fragen zur Fahrt werden beantwortet unter Telefon 07151-54806 (Claudia Kramer-Neudorfer) oder 07151-52263 (Elfriede Becker).

Und dann sind da natürlich wieder die Klassiker im Programm wie der Skatabend mit Annabell Helmecke und die Stammtische zum Schwätzen und Spaßhaben, immer im FraZ, Bürgermühlenweg 11.

Außerdem gibt es wieder einen Erste-Hilfe-Auffrischungsabend am Donnerstag, 27. Oktober, „sehr wichtig, um für den Notfall gerüstet zu sein“, so die FraZ-Aktiven. Anmeldungen nimmt Evemarie Fessmann un ter Telefon 07151-21354 entgegen.

Beim „Arbeitsfrühstück mit Gewerkschafterinnen“ am Samstag, 15. Oktober, ab 11 Uhr, wird in der Hahnschen Mühle, wie der Titel besagt, gefrühstückt und gearbeitet. Gemeinsame Aktionen sollen vorbereitet werden: „Es sind nämlich die Fraueninteressen, die Interessen der Arbeitnehmerinnen, die FraZ-Frauen und Gewerk-schafterinnen verbinden“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. „Nein zur Gewalt an Frauen“ ist auch heuer wieder ein Thema denn „die gibt es immer noch“. Gegen diese Gewalt wird am Freitag, 25. November, die Fahne gehisst, einen Tag später sind die DGB-Frauen auf dem Infostand dabei.

Am Freitag, 20. Januar, wird wieder die Internationale Frauengruppe um Ute Ortolf und Anna Sangermano in der Hahn'schen Mühle zu Gast sein, „und natürlich gibt es wieder eines von diesen fantastischen internationalen Büfetts“. Geschlemmt wird auch bei den sonntäglichen Matinees im Forum Mitte. „Etwas ganz Feines“ ist laut Ankündigung die Traum-Matinee: ein Sonntagsfrühstück mit dem Thema „Das Weibliche und das Männliche im Traum“. Gerlinde Brandl referiert darüber, was Träume leisten, gibt Anregungen dazu, wie Träume verstanden werden können, und erläutert, „was die weibliche und männliche Symbolik im Traumgeschehen vermitteln will“.

Bei der Matinee am Sonntag, 15. Januar, geht es um Farbsymbolik, Farbherstellung, Farbe im Alltag. „Hier wird es jedenfalls richtig bunt“, versprechen die Organisatorinnen.

Bei FBS und VHS

Die neuen Programme liegen in der Stadtbücherei, bei Volkshochschule und Familien-Bildungsstätte und im Forum Mitte aus.

Bildunterschrift:

Grand, Ramsch oder Revolution? Auf jeden Fall ein Riesenspaß sind die FraZ-Skatrunden mit Annabell Helmecke (rechts). Archivbild: Pavlović

WKZ 9.8.2011 Fraz-Frauen-Kleiderbasar: Spende des Tages, 400€

Spende
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 9.11.2011  

Spende des Tages

400 Euro

Die Organisatorinnen des Kleiderbasars von FraZ „Frauen im Zentrum“, Gabi Modi und Vera Schneck, haben in diesem Jahr beim Basar und Kuchenverkauf einen Überschuss von 400 Euro erzielt. Gespendet wurde das Geld dem Paulus-Stift in Stuttgart, eine Einrichtung, die sich junger alleinerziehender Mädchen und Frauen annimmt. In der Wohngruppe werden schwangere Frauen und Mütter ab 14 Jahren rund um die Uhr betreut, im Appartementhaus wohnen volljährige Frauen, die darin unterstützt werden, ein eigenverantwortliches Leben mit ihrem Kind aufzubauen. Daneben gibt es eine Kindertagesstätte, die von 7 bis 17 Uhr geöffnet ist, als offenes Angebot für Eltern auch außerhalb der Einrichtung. Die Beratungsstelle für Frauen in Not berät bei der Ausbildung- und Stellensuche, in finanziellen Angelegenheiten sowie in psychischen Konfliktlagen und bietet Unterstützung und Austauschmöglichkeiten für junge Mütter bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder. Die Fraz-Frauen meinen, die Einnahmen seien hier sinnvoll investiert, und bedanken sich bei allen Frauen, dazu beigetragen haben.

von 2000 bis 2009

WKZ 3.3.2008 Aufbruchsstimmung in neuen FraZ-Räumen

Neue FraZ-Räume
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 3.3.2008  

Aufbruchsstimmung in neuen FraZ-Räumen

Frauenzentrum ist aus der Langen Straße in die Hahnsche Mühle gezogen / „Neue Perspektiven“

Von unserem Redaktionsmitglied Jutta Pöschko

Waiblingen.

In der Nacht und am Morgen hatte der Sturm Emma getobt, so dass sich die FraZ-Frauen sorgen-voll fragten, ob der Umzug über die Bühne gehen könnte. Einige Stunden später war Emma vorbei und das Frauenzentrum in der Langen Straße Geschichte. Dafür haben die Frauen nun in der Hahnschen Mühle mit Schwung ein neues Kapitel begonnen.

Im Flur sind die Stühle zum Abholen aufeinander gestellt. Umzugskartons mit Büchern, Flyern, Ordnern und Büromaterial stapeln sich in den angrenzenden Räumen: Mit den Jahren hat sich im Frauenzentrum über dem Haushaltswarengeschäft Villinger-Zeller einiges angesammelt. Nicht nur an Hausrat und Papierkram, sondern auch an Erinnerungen: an rauschende Frauenfeste und Frühstücke, gut besuchte Kunstausstellungen, Diskussionen und Versammlungen

In kleineren Räumen mit neuer Konzeption

Nostalgisch oder gar traurig ist trotzdem keine FraZ-Frau an diesem Umzugstag. Nachdem das Interesse vieler Frauen am Frauenzentrum in den vergangenen Jahren immer mehr nachgelassen hatte, sind sie froh, in kleineren Räumen und mit einer neuen Konzeption in der Hahnschen Mühle neu anfangen zu können „Am Anfang hat es uns leid getan, jetzt bin ich erleichtert“, sagt Vorstandsmitglied Efi Becker „Jetzt ergeben sich neue Perspektiven.“

Zumal die Frauen die neuen Räume in der Hahnschen Mühle ideal finden. Pro Familia ist dort bereits untergebracht, so dass dort zusammen mit „Frauen im Zentrum“ eine Art Mini-Familienzentrum entsteht, bis das geplante große Familienzentrum in der Karolingerschule fertig ist. Zusammen mit dem FraZ haben dort nun auch die Frauengruppe Courage und eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Missbrauchserfahrungen eine neue Heimat gefunden.

Inzwischen treffen in der Hahnschen Mühle immer mehr Kisten und Möbel ein. Ein großer Raum und zwei kleine, weiße Wände, hellblaue Holzbalken und ein Blick auf Rems und Mühlrad, Apothekergarten und Fachwerkhäuser. Auch das „neue“ FraZ hat seinen Charme. „Ich finde es sehr schön hier“, sagt etwa FraZ-Frau Claudia Kramer-Neudorfer. „Hier haben wir einen viel größeren Raum für Versammlungen.“

Große Feste und Kunstausstellungen wird es künftig nicht mehr geben, doch unter dem Titel „Frauen im Zentrum“ wollen die FraZ-Frauen weiterhin in der Stadt mit-mischen und mehr als bisher politisch arbeiten. „Feste feiern ist nicht mehr gefragt“, sagt Vorsitzende Tina Greiner Jetzt gucken wir, „was wollen die Frauen.“ Ein Stammtisch soll eingerichtet werden, das ist schon mal klar, doch das Frauenfrühstück bleibt zumindest fürs Erste im Forum Mitte. Fest steht für Tina Greiner vor allem eins: „Wir wollen immer noch was bewegen.“

Info:

Feste Öffnungszeiten hat das FraZ in der Hahnschen Mühle nicht mehr. Geöffnet wird es zu Terminen und Veranstaltungen, die im Jahresprogramm oder in der Zeitung angekündigt werden. Weitere Infos gibt‘s unter fraz-waiblin gen@gmx.de.

Bildunterschrift:

Möbel tragen, Kisten auspacken: Am Samstag ist das Frauenzentrum in die Hahnsche Mühle eingezogen
Bild: Pavlović

WKZ 8.12.2007 Aufbruch: Das FraZ ist tot, es lebe das FraZ!

Aufbruch Umzug
aus Frauenzentrum wird Frauen im Zentrum

Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 8.12.2007  

Aufbruch: Das Fraz ist tot, es lebe das Fraz!

Frauenzentrum in der Langen Straße ist ab Januar Geschichte / Arbeit geht unterm Motto „Frauen im Zentrum“ weiter

Von unserem Redaktionsmitglied Jutta Pöschko

Waiblingen.
Es war ein starker Aufbruch, als 57 Frauen 1994 das Frauenzentrum (Fraz) gründeten. Um eigene Räume, zu denen Männer keinen Zutritt hatten, hatten sie lange gestritten. In den letzten Jahren sind die allerdings immer öfter leer geblieben - junge Frauen brauchen den geschützten Raum offenbar nicht mehr. Nun steht wieder ein Aufbruch an. Und, so Vorstandsfrau Tina Greiner, „die Befreiung von Kleidern, die nicht mehr gepasst haben“.

Das Fraz ist tot, es lebe das Fraz: Das Frauenzentrum in der Langen Straße, für das die witzige Abkürzung Fraz einst ersonnen wurde, ist Geschichte. Doch die Arbeit für die Frauen geht weiter. Unter dem Titel „Frauen im Zentrum“ werden die Fraz Frauen ihre Arbeit fortführen, dabei aller-dings mehr als bisher politisch arbeiten Wir wollen Informationen für Frauen bündeln, „vor allem für Zugezogene“, sagt Vorstandsfrau Tina Greiner. Themen wie Frauenarmut and Obdachlosigkeit wollen sie angehen, bei „Frauen für den Frieden“ Terre des Femmes und Medica Mondiale mitarbeiten. Kurzum: Die Frazfrauen verschwinden nicht in der Versenkung, sondern werden auch weiterhin in der Stadt mitmischen.

Cafébetrieb und kuschelige Sitzecken gibt's nicht mehr

Doch das Frauenzentrum in der Langen Straße, mit Cafébetrieb, kuschligen Sitzecken, Kunstausstellungen und einer kleinen, aber feinen Frauenbibliothek, wird es ab Januar nicht mehr geben. „Das Frauenzentrum ist bei jungen Frauen nicht mehr gefragt“, sagt Gründungsfrau Efi Becker. Diese Entwicklung, die sich über Jahre hinzog, stand auch im Mittelpunkt der jüngsten Mitgliederversammlung, bei der die Frauen über den neuen Namen abstimmten: Frauen brauchen in Waiblingen kein abgeschlossenes kulturelles Zentrum mehr. „Raum für frauenspezifische Bedürfnisse und Entwicklungen bieten unterschiedliche Gruppen und öffentliche Einrichtungen“, hatte Tina Greiner bei ihrem Antrag zum neuen Namen „Frauen im Zentrum“ ausgeführt. Und die Mitgliedsfrauen hatten zugestimmt bei ihrer allerletzten Sitzung im Frauenzentrum.

Zum nachlassenden Interesse der Frauen kam die Ankündigung der Stadt, den Mietzuschuss der Vereine zu halbieren. „Es war klar, dass wir bei rund 100 Mitgliedsfrauen mit unseren Mitgliederbeiträgen die halbe Miete nicht aufbringen können“, sagt Tina Greiner.

„Keiner der beiden Vereine wird auf der Straße stehen“

Nun ist die Wohnung über dem Haushaltswarengeschaft Villinger-Zeller gekündigt, die Kisten sind gepackt. Noch steht allerdings nicht fest, wo sie ausgepackt werden. Denn Anfang der Woche erreichte die Fraz-Frauen die Nachricht, dass die versprochenen Räume in der Hahn‘schen Mühle gar nicht frei werden - der Schachclub, der eigentlich ausziehen sollte, ist mit den von der Stadt angebotenen Räumen nicht zufrieden. Wobei Erster Bürgermeister Martin Staab zuversichtlich ist, für beide Vereine eine zufriedenstellende Lösung zu finden: „Keiner von beiden wird im Januar auf der Straße stehen“, versicherte er gestern auf Anfrage.

Ideal, darin sind sich der Erste Bürgermeister und die Frauen einig, wären die Räume in der Hahn‘schen Mühle. Pro Familia ist dort bereits untergebracht, so dass dort zusammen mit „Frauen im Zentrum“ eine Art Mini-Familienzentrum entstehen würde, bis das geplante große Familienzentrum in der alten Karolingerschule fertig ist. Wo auch immer das Fraz unterkommt wichtig sei, dass auch die anderen Frauen-gruppen, die sich bisher in der Langen Straße getroffen haben unter anderem die Frauengruppe Courage und eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Missbrauchserfahrungen - ebenfalls eine neue Heimat finden können, sagt Efi Becker. „Wir vertrauen darauf, dass die Stadt eine gute Lösung findet.“

13 Jahre Fraz: Eine ganze Menge haben die Frauen in dieser Zeit erreicht. Außer den eigenen Räumen war wohl ihr größter Erfolg, dass die Stelle einer Frauenbeauftragten eingerichtet wurde. Doch auch die nennt sich inzwischen geschlechtsneutral Beauftragte für Chancengleichheit. ..brauchen Frauen denn keine Lobby mehr?

Der Hälfte der Welt verdammt nahegekommen

Doch, sagt Efi Becker kämpferisch wie eh und je. „Noch ist es wichtig, sich für die Belange von Frauen einzusetzen.“ Die vergangenen Jahre seien Aufbauarbeit gewesen jetzt stehe ein neuer Aufbruch an. „Es ist Zeit“, sagt auch Tina Greiner. „So ging es nicht mehr weiter.“ Doch keinen Tag würden sie hergeben von den vergangenen Jahren im Fraz: „So viele Frauen haben Mut bekommen“, erinnert sich Efi Becker. Icg habe sie wachsen sehen… „Schüchterne haben sich plötzlich was getraut, Gedicht vorgetragen, Bilder ausgestellt, Reden halten“. Frauen, die vielleicht ein Stück von Alice Schwarzers Forderung geschafft haben: Die Hälfte des Himmels haben sie schon. Der Hälfte der Welt sind sie verdammt nahegekommen.

Bildunterschrift:

Frauen gemeinsam sind stark: Auch beim Packen von Umzugskartons. Bild: Steinemann

WKZ 4.11.2006 Elfriede Becker, eine Alterslose wird 7

Elfriede Becker wird 75
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 4.11.2006  

Elfriede Becker, eine Alterslose wird 75

Zweite Stadträtin Waiblingens überhaupt, „maßlos neugierig“, eine Frau wie ein Öfele

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Benkert

Waiblingen.

Manchmal bekommt sie Post: An Efi Becker, Marienstraße, im Blätterhaus. Dicke Ranken wilden Weins suggerieren Rückzug und Kuschelromantik. Dann stürmt da wieder diese Frau im orangenen Pulli raus und entschwindet Richtung Stadt. Elfriede Becker ist eine Bewegte. „Ich bin maßlos neugierig“, sagt sie. Auf Menschen, Politik, das Leben. Eine Alterslose wird 75.

Elfriede Becker war die zweite (nach Inge Ruof von der FDP) Waiblinger Gemeinderätin überhaupt. Einer von der SPD war zu ihr gekommen. „Wir brauchen auch eine Frau auf der Liste.“ Also, befand sie, fortan wird‘ ich nicht nur schimpfen, sondern was tun. Von 1962 bis 1975 saß sie im Gremium, 1958 ist sie mit der höchsten Stimmenzahl aller Fraktionen wiedergewählt worden. Bis in die 80er hinein war sie auch Kreistagsmitglied.

Als Hausfrau und Mutter von vier Kindern kann sie es nicht lassen, „sich über den Kochtopf hinaus noch für etwas anderes zu interessieren“, haben die Sozialdemokraten damals für sie geworben. Über diesen „Schwachsinnsspruch“ hat sie sich noch lange aufgeregt. Prompt wurde sie später auch Gründungsmitglied im Frauenzentrum. Inzwischen sind leider viele junge Frauen so unpolitisch geworden. „Du hättesch heut‘ noch kein Frauenwahlrecht“. hält sie manchmal ihrer Enkelin Franzi vor. Wenn‘s früher nicht all diese toughen Mädels gegeben hätte, die dafür kämpften.

Urgestein? Eher eine Frau wie ein Öfele

Elfriede Becker ist ein Waiblinger Urgestein, blödes Wort eigentlich, denn steinern ist so gar nichts an ihr. Eine Frau wie ein Öfele irgendwas orangenes trägt sie tat sächlich immer. Sie hat den Mikrokosmos der Stauferstadt nie verlassen, außer im Urlaub, hat durchgängig hier gelebt. „Ich hab‘ scheinbar tiefe Wurzeln.“ Enge? Mauern? Langeweile? Die Freiheit wohnt im Kopf und im Herzen. Das Leben kann so was von spannend sein, wenn man sich nur diese fast kindliche Neugier erhält.

„Aber Frau Beeeecker, jetzt reicht's“, hatte einst Oberbürgermeister Dr. Ulrich Gauß sie mit unzähligen nadelspitzen E's in der Mitte gemahnt. Weil sie sich ein ums andere Mal konsequent beim Marktdreieck der Stimme enthielt. Der Altstadtrahmenplan war damals noch nicht fertig – „und ich war der Ansicht, vorher sollte man so was nicht einfach bauen“

Zu den überzeugten Ja-Sagern gehörte sie, als der Gemeinderat für Millionen die Erleninseln kaufte, die damals noch Viehweide waren. Sie hat auch die Korber Höhe mit abgesegnet: „Es war der Trend in den Sechzigern, landschaftsschonend zu bauen, also ging man in die Höhe - da brauchte jede Gemeinde ihr Hochhaus.“

Erhard Eppler, ihr liebster Sozialdemokrat

Ihr liebster Sozialdemokrat, „mein Leitbild“, war Erhard Eppler, der erste Grüne und Pazifist. Heute findet sie vieles von dem, wofür sie einst angetreten ist, nicht mehr bei der Partei. Gleichwohl ist sie noch Mitglied. Auch solche Wurzeln werden nicht einfach gekappt.

Da war schließlich das frauenpolitische Engagement bei der IG Metall, wo sie auch als Sekretärin arbeitete, die Riesendemos gegen den Paragrafen 218, gegen Sozialabbau. Bis heute ist Elfriede Becker Kabarettistin bei den Gewerkschafts-„Kabaratten“.

Legendär sind ihre Auftritte als „Emma Bäuerle“, nervige Alte mit aktuellem Schmäh. Den baut sie oft noch ganz kurz vor den Auftritten ein. Gedächtnistraining vom Feinsten. Und mit Bravour macht sich die Frauenbewegte da auch mal über sich selber lustig: „Ned amohl an Frauenfahrradständer gibt‘s hier.“

Sie entschied sich, „dann doch lieber gleich zu Feiern“

Elfriede Becker feiert heute mit Familie und Freunden in den 75sten hinein. Zu-nächst nicht ganz freiwillig. „Jetzt musch au mol feiern“, befanden die Kinder. „Da hab‘ ich mir überlegt, was wohl das nächste Fest wäre - meine Beerdigung.“ Und sie entschied sich „dann doch lieber gleich zu feiern. Schulfreunde werden dabei sein, „die mich in der Grundschule schon abholten, die Herzensfreundin aus der Pubertät.

Mitten auf dem Tisch liegen wird auch ein kleines orangenes Album mit den Fotos von ihr und Willy Brandt. Er war gekommen, um anno 1976 ihren Landtagswahlkampf als Zweitkandidatin hinter Heinz Bühringer zu unterstützen. Ein paar Seiten dahinter. „Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg gibt sich die Ehre. Elfried Becker zum Empfang blablabla einzuladen“. Und dann steht noch ganz klein, aber wichtig hintendran: „Straßenanzug“, Ha sagt Efi Becker heute, „die Frauenbewegung muss noch leben, solange lange in den Parlamenten immer noch überwiegen Straßenanzugträger sitzen“.

Das ist ernst und knitz und gar nicht verbissen- „aber eben immer noch nötig“. Wie das Mitschaffen im Waiblinger Tauschring, bei der BAPP-Postplatz-Initiative, wie das Enkelhüten und Prospekte verteilen.

Wissend, „dass alles sich fügt im Leben“

Efi Becker ist ein total heutiger Mensch. Gleichwohl ist auch das Sterben ihr Thema: Aber ich hab‘ immer so das Gefühl, ich brauch noch Zeit zum Reifen, „da fehlt noch was". Lebenslang lernen auch das Konsumverweigern: „Heut sag ich mir. Nur nix anhäufen und die Kinder müssen‘s nachher ausmisten.“ Sie meditiert viel in ihrem Blätterhaus, gelassen wissend, „dass alles sich fügt im Leben“. Seit ich älter bin, sagt sie, „gehe ich mehr nach innen“. Das Credo „ich will“ kommt ein bisschen altersmilder daher.

Efi selber weniger: Neuerdings fegt sie mit einem nagelneuen Rad durch die Stadt. Sie hat sich‘s gegönnt nach Jahrzehnten Dreigangschaltung. Ansonsten ist sie ziemlich wunschlos. Nur eins noch: „Brenged me bloß ned en eurer Zeitung auf der Vorder-seite“. Geschenkt!

Bildunterschriften:

„Willy und ich“: Zweitkandidatin El-friede Becker beim Waiblinger SPD-Landtagswahl-kampf '76. Neben ihr Erstkandidat Heinz Bühringer, schräg hinten Rainer Brechtken, ganz links der zwei Jahre zuvor wegen der Guillaume-Affäre jäh zurückgetretene Ex-Kanzler Willy Brandt.
Bild:Privat

Sonst lieber mittendrin statt hinter Glas: FraZ-Frontfrau Elfriede Becker.
Bild: Habermann

„Ned amohl an Frauenfahrradständer gibt's hier.“
Emma Bäuerle alias Efi Becker in Bestform

StKu 16.12.2006 historischer Rundgang durch Waiblingen aus Frauensicht

Broschüre Frauengeschichten

WKZ 26.11.2005 Rundschlag: Mit Frauen sich versammeln

Mit Frauen sich versammeln
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 26.11.2005  

RUNDSCHLAG

Mit Frauen sich versammeln

Von Jörg Nolle

Die ganze Redaktionsfrau- und mann-schaft hat gestern Blut und Wasser geschwitzt. Wir hatten Angst, im Verlauf von Korrektur und Drucklegung könnte uns doch noch ein schlimmer Fehler unterlaufen.

Auslöser der Ängste: das Waiblinger FraZ, das Frauenzentrum, lud laut Pressetext zur „Mitfrauenversammlung“. Stellen Sie sich vor, Lesende jedweden Geschlechts, durch irgendeinen Zufall wäre aus der Mitfrauenversammlung eine Mit Frauen Versammlung in der Zeitung geworden. Was geheißen hätte, die Versammelten dürfen gnädigerweise ihre Frauen mitbringen. Ein solcher Fehler hätte uns in unserem nicht unerheblichen Korrektheitsbemühen um Jahre zurückgeworfen.

Natürlich sind die Fraz-Frauen zu loben, die sich das mit der Mitfrauenversammlung ausgedacht haben. Einmal davon abgesehen, dass es ein typisch paternalistisches, altväterliches, onkelhaftes. Wesen von uns ist, Frauen loben zu wollen dies nebenbei.

Uns Männern, in der Tat, gefällt das Wort Mitgliederversammlung auch nicht. Es diskriminiert uns. Es unterstellt, dass wir Versammelten (wer ist schon so blöd und geht zu Hauptversammlungen meist wir Männer)..., also es unterstellt, dass wir Männer sogar bei solchen Versammlungen vornehmlich mit dem Glied denken und abstimmen. Wer kann das wollen?

WKZ 30.11.2004 10 Jahre FraZ: Manchen Frosch geküsst, manche Kröte geschluckt

Fest 10 Jahre FraZ
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 30.11.2004  

Manchen Frosch geküsst, manche Kröte geschluckt

... auf dem Weg zur heiß ersehnten Prinzessin: Das Waiblinger Frauenzentrum feierte im Kameralamtskeller zehnjähriges Bestehen

Von unserer Mitarbeiterin Sigrid Krügel

Waiblingen.
Zehn Jahre Frauenzentrum Waiblingen - und „nach wie vor gibt es unendlich viel zu tun“ (Frauenbeauftragte Ingrid Hofmann). Vor allem aber gab es etwas zu feiern. FraZ-Gründerinnen, Stadträtinnen, Baubürgermeisterin, Landtagsabgeordnete, Altfeministinnen – alle waren in den Kameralamtskeller gekommen, inklusive Emma Bäuerle, Schirmherrin des Abends.

Die Macht der Männer ist die Desorganisation der Frauen, sagt Renate Künast, Landwirtschaftsministerin. „Immer wenn sich Frauen gemeinsam für eine Sache stark gemacht haben, konnten sie auch etwas erreichen“, sagt Ingrid Hofmann, Waiblinger Frauenbeauftragte. Als das Frauenzentrum am 21. September 1994 gegründet wurde, zogen alle Frauen an einem Strang, gleich welcher politischen Couleur. Inge Rosenke, damals Leiterin der Familien-Bildungsstätte und FraZ-Mitinitiatorin: „Ich mochte die guten alten Zeiten nicht glorifizieren, aber dieses ganze Vorhaben war das geniale und gelungene Zusammenspiel von vielen und ganz unterschiedlichen Frauen.“

Von den Anfängen berichtete Inge Rosenke, vom „sprichwörtlich heißen Herbst“, als es um die Standortfrage ging. ,,Das war ein klassisches Beispiel für einen oft würdelosen Umgang mit Frauen und ihren Interessen.“ Einen Raum (den Raum Nummer 1) in der FBS sollte das FraZ damals beziehen, alternativ einen heruntergewirtschafteten Schuppen in der Karlstraße. Im Ulrich-Herzog-Haus fand das Frauenzentrum schließlich ein vorläufiges Domizil - bis die heutigen Räume in der Langen Straße gemietet werden konnten und am 9. März 1996 eingeweiht wurden.

„Das war zu der Zeit, als das Wünschen noch half“

1999 dann der nächste Meilenstein, an dem das FraZ „einen ganz entscheidenden Anteil hatte“ (Ingrid Hofmann): Die Stelle der Frauenbeauftragten wurde geschaffen. Das war zu der Zeit, „als das Wünschen noch half“, wie die heutige FraZ-Vorsitzende Tina Greiner augenzwinkernd erzählte. Mancher Frosch musste geküsst, manche Kröte geschluckt werden. Aber dann war sie da, die heiß ersehnte „Prinzessin“.

Und sie lebten glücklich und froh bis … 2004. Und wieder half Frauensolidarität - als die Stelle der Frauenbeauftragten angesichts der Löcher im Haushalt wieder zusammengestrichen werden sollte. Ingrid Hofmann: „Frauen aus allen Lagern haben gezeigt, was ihnen die Stelle wert ist. Politikerinnen, FraZ-Frauen, Unternehmerinnen, Landfrauen, alle haben sich hinter die Waiblinger Frauenpolitik gestellt. Und gemeinsam waren wir erfolgreich!“ Trotzdem gibt es noch jede Menge zu tun: „Die neue wie alte Aufgabe lautet, nach Lösungen zu suchen zur Überwindung von Diskriminierung, Ausgrenzung und Benachteiligung im Geschlechterverhältnis“, so Hofmann.

Kleiner Rückblick in Sachen Gleichberechtigung: Bis 1958 noch konnte ein Ehemann das Arbeitsverhältnis seiner Frau fristlos kündigen. Bis 1977 war die „Hausfrauenehe“ gesetzlich verankert. „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist“, hieß es im Ehegesetz. Erst 1996 wurde die Vergewaltigung in der Ehe zum Straftatbestand. „Manchmal wird man zornig, dass es so langsam geht.“

Aber es geht. Sagt Katrin Altpeter. „Frauen können solidarisch sein.“ Die Landtagsabgeordnete, selbst Gründungsmitglied des Frauenzentrums, erinnerte an das Jahr 1997, als die Stadtverwaltung die Zuschüsse fürs FraZ kürzen wollte. „Das konnte damals abgewendet werden, weil viele im Gemeinderat fraktionsübergreifend zusammengehalten haben.“ Denn es komme nicht auf die Partei an. Es komme darauf an, dass „wir uns nicht gegenseitig im Weg stehen und uns nicht behindern, wenn eine mal mehr erreicht als die andere“, sagt Ingrid Hofmann. Wenn das gelingt, „dann sind wir auf einem guten Weg zur Geschlechterdemokratie“

Bildunterschrift:

Mit Schirm, Charme und Kapotthut: Kabarettistin Emma Bäuerle alias Efi Becker - Frauenfahrradständer fordernd.
Bild: Bernhardt


Lila Latzhosen und die Pille ...

Alice Schwarzer hätte eigentlich die Geburtstagsfeier des Frauenzentrums als Schirmherrin eröffnen sollen. Vor zwei Jahren hatten die FraZ-Frauen Marisol Simon und Evamarie Fessmann die EMMA-Chefin auf dem Kirchentag in Berlin kennen gelernt und erste Kontakte geknüpft. Indes - die Dame konnte/wollte nicht. Und so übernahm „Emma Bäuerle“ die Schirmherrschaft über den Festabend zum Zehnjährigen im Kameralamtskeller

Emma Bäuerle heißt im wirklichen Leben Efi Becker - ihr alter ego hat schon mit der Clara (Zetkin), dem Urgestein der Frauenbewegung, im Sandkasten gespielt. Unter Emma Bäuerles (schwarzem) Schirm hat sich der Keller gefüllt. Unter anderem mit den Feministinnen der ersten Stunde, die Moderatorin Kristine Zilian Rede und Antwort standen darüber, wie die Frauenbewegung in Waiblingen ihren Anfang nahm ...

Hilla Heinrich, Jahrgang 1945, erzählt. „Wir waren damals hell begeistert von der Frauenbewegung. In jedes Dorf muss ein Frauenzentrum, haben wir gefordert.“ (Damals sollte es noch 15 Jahre dauern, bis Waiblingen sein FraZ bekam.) Ende der 70er Jahre hat sie Frauengesprächsgruppen eingeführt. „Das waren Selbsterfahrungsgruppen, da sprach man über sich selbst.“ Über die Gründung einer Frauenpartei wurde diskutiert, über Lohn für Hausarbeit. „Wir werden nicht als Mädchen geboren, wir werden dazu gemacht“, hieß das Kultbuch damals. Alles war Erziehung, Töchter, die nach Röcken verlangten, den Muttern in den lila Latzhosen ein Graus.

„1979 haben wir dann in der Villa Roller die Frauenteestube in der Villa Roller gegründet“, erzählt Renate Bayer, Jahrgang 1950. Reden, diskutieren, seinen eigenen Standpunkt finden. Dann die Verhütungsgruppe - „als unverheirateter Frau hat einem ja damals kein Arzt die Pille verschrieben ... “

Knapp ein Vierteljahrhundert ist das her. Für Hilla Heinrich ist diese Zeit vorbei. „Damals wollte ich die Welt verändern.“ Heute ist sie desillusioniert. Hat erlebt, dass Emanzipation Angst macht und Frauen sich nicht ändern, wie sie sagt. Stattdessen hat sie sich selbst verändert, einen neuen Beruf ergriffen, noch mal studiert.

Renate Bayer hat von der Zeit damals profitiert, „der Austausch war wichtig“. Als das FraZ gegründet werden sollte, war sie wieder dabei. „Ich fand's toll.“

Emma Bäuerle war auch dabei. Weil es immer etwas gibt, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Für Frauenfahrradständer in der Marktgarage zum Beispiel! Wer kämpfen will, muss auch mal über sich selbst lachen können.

StKu 25.11.2004 10 Jahre FraZ: Von den Anfängen bis heute

10 Jahre Fraz
Zeitungsartikel als Text

Stauferkurier 25.11.2004  

FraZ: Festabend zum Zehn-Jahres-Jubiläum im Kameralamts-Keller

Von den Anfängen bis heute

Das Waiblinger Frauenzentrum ist unter dem Kürzel „FraZ“ längst eine Institution. Es hat in den Räumen in der Langen Straße 24 im ersten Stock (über den Geschäftsräumen von Villinger & Zeller) seit vielen Jahren eine Heimat gefunden. In wenigen Tagen begeht das Frauenzentrum Waiblingen sein Zehn-Jahr-Jubiläum und lädt aus diesem Anlass zu einem Festabend am Freitag, 26. November 2004, um 19.30 Uhr in den Kameralamtskeller, Lange Straße 40, ein.

Mit einem abwechslungsreichen Programm wie Musik zum Mitmachen sowie heiterenund besinnlichen Rückblicken wird an die Anfänge erinnert; Festreden zur Frauenpolitik ergänzen das Programm. Und dazu bieten die FraZ–Frauen ein FraZ-typisches Schlemmerinnen-Bufett. Es gibt noch wenige freie Plätze. Interessentinnen sollten sich rasch unter 1 50 50 oder per E-Mail: frauenzentrum-waiblingen@t-online.de anmelden.

Die Anfänge des FraZ gingen auf eine Fraueninitiative zur Schaffung eines Frauencafés im Jahr 1994 zurück. In einem Brief an den Oberbürgermeister Dr. Schmidt-Hieber forderten die Waiblinger Frauen Unterstützung seitens der Stadt. Der Oberbürgermeister sicherte diese zwar zu, das größte Problem kam allerdings noch auf die Frauen zu. Die Frage des Standorts blieb längere Zeit ungeklärt. Im Juni 1994 wurde der Verein „Frauencafé“ mit 36 Gründungsmitgliedern gegründet.

Die Mitgliederzahlen sind in den Jahren danach ständig gestiegen. Eröffnet wurde das Frauenzentrum schließlich am 9. und 10. März 1996 in der Langen Straße 24. Im September des Jahres 1996 durften dann mit dem Oberbürgermeister und den damaligen Stadträten erstmals auch Männer die Räume des FraZ besichtigen.

WKZ 21.10.2002 Der schwierige Kleiderbasar-Spagat

Kleiderbasar-Spagat
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 21.10.2002 

Der schwierige Kleiderbasar-Spagat

Risiko: Endlich den Schrank ausgemistet aber mit noch mehr Kisten zurückgekehrt

Von unserer Mitarbeiterin Heidrun Gehrke

Kleider machen Leute. Und was tut der FraZ-Frauenkleiderbasar? Er zieht jede Menge Frauen an. Kleidernärrinnen treffen auf Besitzerinnen von Fummeln, Hüten, Hosen oder Schuhen und alle frönen gemeinsam dem lustvollen Kruschdeln und Stöbern.

Die Kauflust kommt dieses Mal eher schleppend in Gang Kleiderbasar im Frauenzentrum bedeutet Einkaufen ganz ohne „scherrige“ oder engelsgeduldig vor der Umkleidekabine ausharrende Männer, denn für sie hat der Kleiderbasar, den das Frauenzentrum zweimal jährlich organisiert, nichts Kleidsames zu bieten. Dafür umso mehr Anziehendes für die modebewusste Dame Es gibt keinen Ramsch, das ist der Vorteil gegenüber Secondhand oder Flohmarkt, meint eine Besucherin, die zunächst mit einer schwarzen Jacke vor dem Spiegel posiert. In dem voluminösen Stück In versinkt ihr schmaler Körper, das Teil wandert zurück an den Kleiderständer.

Auf den Tischen stapeln sich gut erhaltene und modemäßig alles andere als vorgestrige Pullover und Hosen, an den Kleiderstangen warten ebenso im Trend liegende Blusen, Jacken, Kleider und Röcke auf neue Trägerinnen „Ladenhüter bietet niemand an, wir legen schon Wert auf Sachen, die verkaufbar sind“, sagt die Organisatorin FraZ-Kleidermarktes, Veronika Schneck. Markenklamotten seien gefragt, kleine Größen und jugendlich-sportives Design. Auch Socken, Schals, Handtaschen oder Schuhe sollen die Besitzerin wechseln

Und sogar Hüte sind mit von der Partie. Maria Colmer ist gewillt, sich von einigen ihrer flauschigen Kopfbedeckungen zu trennen. „Ich habe um die 40 Kappen und Hüte zu Hause, da muss man ab und zu ausmisten.“ Beim Räumen ihres Schrankes fielen ihr außerdem reihenweise Fehlkäufe in die Hand. Darunter versteht sie Sachen, die sie im Überschwang des „Einkaufsrausches“ gekauft hat, ohne sie vorher anzuprobieren. Ähnliches kann ihr auch beim FraZ-Basar passieren, den sie doch eigentlich besucht, um sich ihrer Textil-Vorräte wenigstens teilweise entledigen. „Man muss aufpassen, dass man nicht mit noch mehr Tüten und Kisten wieder heimgeht, denn die Frauen, die hier verkaufen, sind sich gegenseitig die besten Kundinnen.“

Auch Marisol Simon kennt das Dilemma. Die Verführung sei groß, einmal zu lange auf den weinroten Poncho der Nachbarin zu schielen oder sich kurz vorzustellen, welche Figur man in dem lässig ausschauenden langen Strickkleid mit extra schmaler Schnittform machen könnte. Dies könne sämtliche Pläne, hinterher mehr Platz im Kleiderschrank zu haben, jäh durchkreuzen. „Man muss den Spagat zwischen verkaufen und neu kaufen hinkriegen.“ Um standhaft zu bleiben, hat sie die passende Lektüre gelesen. „Ich habe in einem interessanten Feng-Shui-Buch vom Ausmisten gelesen, das hat mich überzeugt, keinen unnötigen Ballast anzuhäufen“, sagt sie fröhlich und fest entschlossen.

Frauen, die den Inhalt ihres Kleider-schranks als Ballast empfinden, gibt es viele. „Wir hätten 50 Tische bestücken können, mussten uns aber aus Platzgründen auf zehn Anbieterinnen beschränken“, so Veronika Schneck. Dafür ist das Kaufinteresse eineinhalb Stunden nach Öffnung des Basars nicht sonderlich groß. Einer Besucherin kommt der Andrang recht dünn vor „Bei den Leuten sitzt eben das Geld seit diesem Jahr nicht mehr so locker.“ Erklären kann sie sich die Zurückhaltung nicht. „Eigentlich müssten doch gerade jetzt Basare Hochkonjunktur haben, denn hier kann man günstig einkaufen.“

Bildunterschrift:

Die Verkäuferinnen im Fraz sind sich selbst die besten Kundinnen. Bild: Schneider

21.6.2002 Erste Hilfe - statt hoffen, dass einer vorbeikommt

Erste Hilfe
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 21.6.2002;

Erste Hilfe – statt hoffen, dass einer vorbeikommt

Urlaubszeit - Unfallzeit / Auffrischungskurs im Frauenzentrum / Bei Schock die Beine hoch - das stimmt beileibe nicht immer

Von unserer Mitarbeiterin Heidrun Gehrke

Wie war das nochmal mit der stabilen Seitenlage? Wie legt man Hand an bei Kopf- oder Bisswunden und was ist zu tun, wenn der Patient einen Schock er-litten hat? Oft liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs jahrzehntelang zurück. Ein Abend zur Auffrischung, wie ihn das Frauenzentrum Fraz angeboten hat, kann die grauen Zellen wiederbeleben.

Kursteilnehmerin Beata Härtner hat eine Unfallsituation erlebt, die vielen ihr Leben lang erspart bleibt, vor der sich aber gleich-wohl jeder fürchtet. „Ein Bub mit Skateboard hatte eine stark blutende Kopfverletzung, ich war weit und breit die Einzige und wusste nicht, was zu tun ist, zum Glück kam bald eine Krankenschwester am Unfallort vorbei.“ Diese Unbeholfenheit habe sie als überdeutlichen Wink mit dem Zaun-pfahl betrachtet, „schleunigst wieder einen Kurs zu machen.“ Seit dem obligatorischen für den Führerschein, sei sie in dieser „Hinsicht untätig“ gewesen - „und das ist über 20 Jahre her.“

Cornelia Strauß indes ist überrascht, wie viel vom Führerscheinkurs hängen geblieben ist: „Toi-toi, ich hab‘ noch nie erste Hilfe leisten müssen, vieles wüsste ich zwar noch, aber ich hatte wahrscheinlich im Falle des Falles nicht mehr alles parat gehabt“, vermutet sie. „Meistens ist das einmal Ge-lernte nicht vergessen, sondern verschüttet" sagt Kursleiterin Gabi Berner, die zur Reaktivierung des verschollenen Wissens. ins FraZ gekommen ist.

Sie stößt hier auf einen „repräsentativen Querschnitt“, auf Teilnehmerinnen also, die angeben, „noch so pi mal Daumen, ganz grob“ zu wissen, wie‘s funktioniert. Meist können sie sich indes nur noch an Fragmente erinnern. „Psychologischer Beistand ist ganz wichtig, man soll als Erstes den Verletzten beruhigen, ihm die Hand halten, das konnte ich mir immer merken“, sagt eine Teilnehmerin. Die Nachbarin kennt den Rat, bei „Schock die Beine hochzulegen.“ Hier fängt‘s schon an mit den Erinnerungslücken und Ungenauigkeiten. „Wenn der Patient sagt, dass er sich ab dem Bauchnäbele aufwärts beklemmend und eng fühlt, auf keinen Fall die Beine hoch“, hakt Gabi Berner sofort ein. „Diese Lage wäre gut für Bauchschmerzen und Krämpfe jeglicher Art, aber wenn Schmerz oder Atemnot vom Herzen ausgehen, kann es fatale Folgen haben, die Beine hochzulegen.“

Nächstes Problem: „Wo stellt der Ersthelfer bei einem Unfall das Warndreieck auf? Die Antworten reichen „von 50 Meter vor der Unfallstelle“ bis zu „500 Meter“, allgemein vages Raten und Tippen, ein bisschen wie beim Lotteriespiel - richtig ist: 50 Meter in geschlossenen Ortschaften, 150 auf Landstraßen, 250 Meter auf Autobahnen. „Unsicherheiten können im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden, ich empfehle jedem, sich die wichtigsten Dinge immer wieder ins Gedächtnis zurückzurufen“, so Gabi Berner. Die Kursleiterin setzt beim Kampf gegen das Vergessen auf eine Rezeptur aus gut merkbaren Eselsbrücken und lebensnahen Fallbeispielen.

Zum Beispiel „Fremdkörperverletzungen“, dazu ließe sich viel sagen, „aber man lernt‘s am besten, wenn man es drastisch vor Augen hat“, sagt sie. Und nach und nach wird klar, warum sie den riesigen Koffer mitgebracht hat: Darin verstaut ist ein komplettes Set an Theaterschminke in Plastikdöschen. Verbandszeug. Pflaster, Pinzette, Alu-Wärmedecken und Scheren. Aus hautfarbener Knetmasse formt sie einen „knubbeligen Bollen“, in den sie eine kleine Scherbe (den Fremdkörper) steckt, beides klebt sie auf dem Handrücken der Verletzten fest und verwandelt ihn entsetzlich echt mit rot und blau gefärbten Vaseline-Mischungen in eine geschwollene, verletzte und von Blutergüssen übersäte Klaue. Mit speziellem Make-up weißelt die Unfall-Make-up-Artistin Lippen, „damit sehen Sie aus, als wären Sie kurz vorm Umkippen, wunderbar“ Gabi Berner spricht von realistischer Unfalldarstellung“ - die Erfahrung sagt, dass „es sich damit am besten einprägt“.

„Die kann kein Blut sehen“

Zwei Frauen spielen „Retter“ und verschwinden aus dem Raum, während die Verunfallten präpariert werden. „Des ischd jetzt was für die Cornelia, die kann nämlich kein Blut sehen“, frotzelt die Frau mit der „Glasscherbe“ im Handrücken. Cornelia mit der Blut-Aversion bleibt cool, als sie „Hilferufe“ hört und der Verletzten helfen soll. „Das sieht ja heftig aus, des lass‘ ich mir auch auf die Hand machen und so blutig geh‘ ich dann nach Hause, mal schauen, wie erste-Hilfe-tauglich die Meinen sind.“

Bildunterschrift:

Drastisch simuliert: die Glasscherbe im Handrücken
Bild: Bernhardt

19.3.2001 Frauengeschichten findet man in Hinterhäusern

Frauengeschichten findet man in Hinterhäusern
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 19.3.2001  

Frauengeschichten findet man in Hinterhäusern

Erster historischer Stadtspaziergang aus Frauensicht / Frauen prägen die Stadt und sind einen Spaziergang wert

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Reichle

Bei historischen Stadtrundgängen ist es meist so: Die Besucher lernen die Herren einer Stadt kennen. Männer bauen eine Stadt und besetzten die Vorderhäuser. Frauen sind in den Hinterhäusern zu suchen, leben hinter zugezogenen Gardinen oder wispern in den Gassen. Doch wo und wie lebten die Frauen in der Stadt? Dieser Aufgabe stellt sich die Frauengeschichtswerkstatt des Frauenzentrums Waiblingen.

Am Samstag war Premiere. Bei Nieselregen und vor noch kleinem Publikum. Aber das kann sich ja ändern, denn die Waiblinger Frauen sind allemal einen Spaziergang wert. Annabella Helmecke übernahm, assistiert von Ute Greiner, die erste Führung. Und die begann vor der Michaelskirche. Hier in den heiligen Hallen soll um das Jahr 1506 ein gar weltliches Lachen angehoben haben. „Ostergelächter“ hieß der Brauch, mit dem die Menschen die strenge Fastenzeit hinweggelacht haben. Alle Männer, die meinten, sie hätten zu Hause das Zepter in der Hand, sollten aufstehen, hieß der Befehl. Gerade mal einer hat sich getraut und wurde zum Lohn dem Spott der ganzen Gemeinde ausgesetzt.

Nach solcherlei Teufelsgelächter geht's hinüber zum Nonnenkirchle und zur Geschichte der Beginen. Frauen, die sich fernab aller weltlichen Genüssen dem Kranken- und Armendienst verschrieben hatten. Ganz weltlich indes agierte eine andere Waiblinger Frau. Gertrud Schwarz, vorgestellt am Alten Postplatz, hatte hier in der alten Post anno 1928 ihre private Nähschule ins Leben gerufen. Ein Jahr später wurde sie zur Leiterin der Frauenarbeitsschule berufen, der sie bis 1966 vorstand.

Mutigen Frauen begegnen wir auf dem Rundgang. Unter dem Motto: „Gebt unsere Stadt frei“ versammelten sich am 10. April 1945 Waiblinger Frauen vor dem Rathaus und protestierten lautstark gegen die Verteidigung ihrer Stadt. Denn Verteidigung hätte geheißen: Die Amerikaner nehmen sich die Stadt mit Gewalt.

Evi Becker, beim Rundgang als Zuhörerin dabei, erinnert sich noch an den Aufmarsch. Für die damals Zwölfjährige ein „Riesenereignis“ und Unterricht in Sachen Demokratie. Später, 1962, saß Evi Becker im Gemeinderat. Nach Frieda Ruoff, die 1956 als erste Frau ins Waiblinger Parlament einzog. „Jetzt bin ich schon historisch“, lacht Evi Becker.

Frauengeschichte betreiben heißt lernen, dass Frauen in früheren Zeiten nur dann in den Annalen auftauchen, wenn sie in irgendeiner Form auffällig wurden. Wie die Kappenmacherin Sybille Scheuermann, die ob ihrer gewagten Kleidung den braven Waiblingern ein Dorn im Auge war.

Es gilt, Frauenleben zu entdecken, die fast hinter dem ihrer Männer verschwinden. Wie das Leben der Friederike Maier, Ehefrau des oft erwähnten Juristen und Dichters Karl Maier. Gastfreundlich sei es gewesen, das Haus Maier am Marktplatz (heute Modehaus Villinger). Doch wer hat eigentlich die Gäste bewirtet? Der Musenmann Karl etwa? Eher die Frau im Hintergund.

Kaum ein Ort, der keine Geschichte erzählen kann. Beim Bädertörle bei der Hochwassermarke aus dem Jahre 1956 gibt's zum Abschluss Erinnerungen an die unerschrockene Hebamme Hermine Schnell. Hermine sollte zu einer Schwangeren nach Waiblingen. Weil die Straßen überflutet waren, nahm sie von Beinstein kommend den Kahn, legte am Bädertörle an und war pünktlich für die Entbindung zur Stelle.

„Es gibt noch so viele Frauen, von denen wir berichten könnten“, sagen die Aktiven aus der Frauengeschichtswerkstatt. Es müssen ja nicht immer die herausragenden Einzelpersonen sein. Frauen haben in früheren Zeiten vielleicht nicht das Rathausgeschehen geprägt, aber sie hatten vermutlich die Waschplätze an der Rems, die Brunnen in der Stadt oder die Marktstände in der Hand. Auch an diesen Orten ließe sich noch viel erfahren.

Info:

Der nächste Stadtrundgang für Frauen findet am 24. April um 15 Uhr statt. Treffpunkt ist beim Haupteingang der Michaelskirche. Unkostenbeitrag: zehn Mark.

Bildunterschrift:

Auf den Spuren der Waiblingerinnen: Frauen beim Stadtrundgang. Bild: Pavlović

WKZ 6.11.2000 „Das Trommeln hat Mut gemacht“

Trommeln
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 6.11.2000 

„Das Trommeln hat Mut gemacht“

FraZ-Mitmach-Aktion für ein „tolerantes Miteinander von Menschen aller Nationen“

(bin).

„Den Frauen des FraZ ist es wichtig, gerade hier in Waiblingen ein Zeichen zu setzen, weil wir uns mitverantwortlich fühlen, was hier und in unserem Umfeld passiert: Nie wieder Faschismus“ - mit dem Aufruf zum „Trommeln für ein tolerantes Miteinander von Menschen aller Nationen und Rassen“ will das FraZ laut Sprecherin Tina Greiner ein Zeichen setzen - angesichts des Brandanschlags auf das Heim für Asylsuchende im August, angesichts des bevorstehenden Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November und des „Republikaner“-Bundesparteitages in Winnenden.

Trommler um den Musiker Georgi Hocker forderten am Samstag auf dem Marktplatz . IG Metall, rief in ihrer Ansprache dazu auf, mit ihren „heißen, lateinamerikanischen Rhythmen und exotischen Gewändern“ (FraZ-Mitglied Evi Becker) zum Mitmachen auf - was manche Passanten auch taten, und mit Leib und Seele mittrommelten odermitsangen. „Das Trommeln hat unheimlich Mut gemacht“, sagen die Veranstalterinnen, die den Aufruf als „voll aufgegangen“ werten.

Anne Rieger, zweite Bevollmächtigte der IG Metall, rief in ihrer Ansprache dazu auf, nicht mehr zu schweigen: „Wir werden reden und trommeln gegen rechts, gegen die Stichwortgeber, die die Lunte legen, die andere zünden. Wir werden am 18. November in Winnenden gegen Reps demonstrieren!“

WKZ 17.10.2000 Ganz ohne geht's nicht: Über Mann lacht frau gern

Über Mann lacht frau gern
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 17.10.2000 

Ganz ohne geht's nicht: Über Mann lacht frau gern

Dritte lange Frauen-Nacht im Kameralamtskeller/Kultur, Kontakt und Kulinarisches für Mädels und Damen

Von unserer Mitarbeiterin Ines Treffler

Pech für Männer: Am Freitag, dem 13. hieß es, bitte draußenbleiben. Dafür kamen über 100 Frauen. Ausverkauft, ausgelassen und ausschweifend war der Abend, den die Familienbildungsstätte, das Frauenzentrum und die Stadtbücherei im Kameralamtskeller veranstalteten. Schon zu Beginn stand fest: „Ein absoluter Knüller, wir können niemand mehr reinlassen.“

„Laudr Weibr! Wo isch denn nur dr Fotograf?“ erkundigt sich Sabine Schief vom Schwäbischen Mundart-Duo „I-Dipfele“. Nicht, dass der Mann mit der Kamera zu spät kam. Er war nur der einzige, der sich die Treppe hinab in den Keller wagte. Für die Zeitungsfotos wurde er geduldet, alle anderen hatten keine Chance „Koin oin-zigr?“ fragt die Kollegin Gesa Schulz-Kahleyß und blickt mit hochgezogenen Augen-brauen ins Publikum. Sie lächelt, denn das kann eigentlich nur eines bedeuten: „Isch des dr Woiblingr Männerschtrip?“

Mitnichten, aber enttäuscht war dennoch niemand. Das lag vor allem auch an den beiden Kabarettistinnen aus Schwaikheim Nicht nur, weil in ihrem Programm „Von allem äbbes“ immer wieder das Thema Männer auftaucht. Und darüber lacht die Frauenwelt immer noch am lautesten. Nein, die orginelle und witzige Show hatte auch Männern gut gefallen.

Vielen Frauen ging es auch gar nicht um eine männerfreie Zone. „Mein Mann spielt freitags immer Schach, und dann muss ich mir halt auch was suchen“, meint Friederike Krauth und lacht. Am Nebentisch verrät eine Besucherin den Grund ihres Kommens. „Wir machen hier ein Treffen mit allen Geschwistern.“ Nicht, dass sie nur Schwestern habe, der Bruder wohnt in Hannover und konnte eh nicht vorbei-schauen. Reine Neugier lockte einige an, andere kannten bereits die ersten beiden Nachte allein unter Frauen und wollten unbedingt wieder dabei sein.

Was ist so reizvoll an der geschlossenen weiblichen Gesellschaft? Tina Greiner, FraZ-Vorstandssprecherin, erklärt den Erfolg mit dem Bedürfnis der Frauen nach einem eigenen Bereich ohne Männer. Gerade ältere Frauen aus einer Generation, in der Frauen nur über Männer definiert wurden, trauten sich eher hierher. „Es gibt viel zu wenig Angebote nur für Frauen in Waiblingen“, meint Inge Rosenke. Die Leiterin der Familienbildungsstätte denkt aber nicht nur ans Publikum. „Mit der Veranstaltung wollen wir auch die Frauenkultur fördern“.

Ziel der Veranstalterinnen ist es, einen bunten Mix aus Kultur, Kontakt und Kulinarischem anzubieten. Das ist ihnen gelungen, denn Programm wie Buffet kommt bei jungen Mädchen ebenso gut an wie bei älteren Damen. „Es freut mich besonders, dass heute querbeet jede Altersgruppe vertreten ist“, sagt die Leiterin der Stadtbücherei, Ute Bräuniger-Thaler

Vorurteile wie Emanzentreff oder männerfeindliche Feministinnen sind nicht nur bei Männern zu finden. Auch einige Frauen sind erst mal skeptisch gegenüber reinen Frauenveranstaltungen. „Ich habe mir aber gedacht, so extrem emanzenhaft wird‘s schon nicht werden, wenn das die Familienbildungsstätte mitorganisiert“, berichtet eine Winnenderin. „Die Männer haben ja auch ihren Stammtisch, deshalb ist es doch nur in Ordnung, dass wir sie auch mal aus-schließen“, ergänzt die Tischnachbarin. Claudia D'Orazio meint dagegen: „Ich fänd's gemischt fast netter.“

Zwei Freundinnen vermissen die Männer gar nicht: „Wir sind beide geschieden und ein Leben ohne sie gewöhnt.“ Um das reine Vergnügen, egal ob nun mit oder ohne Mann, geht es Birgit Glump aus Korb: „Ich wollte einfach mal raus und viel Spaß haben“. Die Musik ist der Grund, warum sie mit einer Freundin hier ist, nicht der Frauenabend. Auf den Auftritt der Frauen-Band „Fire Wings“ aus Göppingen und ihre in-dianischen Klänge warten sie, andere auf die russische Pianistin Irina Rasskasowa.

Der nächste Verzicht auf männliche Begleitung ist schon geplant. Im nächsten Jahr ist es eine lange Frauen-Sommernacht im Juli. Das wird heiß werden, denn sie findet im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Bücherei zum Thema Erotik statt. Das interessiert sicher auch Männer. Pech gehabt, auch ohne Freitag, den 13. WKZ-Fotograf müsste man(n) halt sein....

Bildunterschrift:

Vor dem kulturellen stand das kulinarische Programm im Kameralamtskeller an: gemeinsames Speisen zum Auftakt der dritten langen Frauen-Nacht. Bild Steinemann

WKZ 2.5.2000 Keineswegs nur die „Momente der Geschichte“

Ausstellung Momente der Geschichte
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 2.5.2000  

Keineswegs nur die „Momente der Geschichte“

Dompteusen und Busfahrerinnen: Ausstellung der FraZ-Frauenwerkstatt zeigt Frauenleben in Waiblingen

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Reichle

Der Titel der Ausstellung der Geschichtswerkstatt des Frauenzentrums Waiblingens trügt. Es sind keineswegs nur die Momente der Geschichte, die die Frauen in Waiblingen mitgestaltet haben Die Schau im Bürgerzentrum zusammengestellt von der Geschichtewerkstatt des Frauenzentrums Waiblingen zeigt: Frauen haben nicht nur am Herd stehend die Geschichte Waiblingens verfolgt. Sie haben als Unternehmerin, Hebamme, Lehrerin oder Dompteurin der Waiblinger Geschichte ihre Spuren hinterlassen

Dabei gibt es ja Vorurteile, die halten sich hartnäckig. Jenes zum Beispiel, dass der eigentliche Platz einer Frau zu Hause sein. Dort soll sie die Kinder versorgen, das Haus in Stand halten und sich mit Hand-arbeiten vergnügen. Das alles machen Frauen Nebenbei. Denn das zumeist bürgerliche Ideal von der Hausfrau gilt und galt eben nur für einen Teil der Frauen. Die anderen haben noch ein paar Jobs neben der Hausarbeit. Und nicht wenige haben die Geschichte der Zeit, in der sie lebten, geprägt. Solche Frauen hat die Geschichtswerkstatt in einer Ausstellung nun porträtiert. Auch ein Beitrag zur 750-Jahr Feier in Waiblingen. Denn, so Angela Dietz von der Geschichtswerkstatt „Es war uns zu blöd, einfach nur an einem Umzug teilzunehmen“

Allemal. Denn der Aufzug der Töchter Waiblingens an den Stelltafeln in der Ausstellung zeigt ohne Zweifel mehr vom Waiblinger Frauenpower. Indes gilt auch bei den Frauen: Es sind beileibe nicht immer die großen Namen, welche die Geschichte einer Stadt ausmachen. Auch wenn sich die Stadt gerne mit ihnen schmückt. Da wäre zum Beispiel die Kaiserin Gisela, oder die Herzogin Sabine von Württemberg. Beide Damen haben wohl von den Einkünften der Waiblinger profitiert. Ob sie allerdings jemals ihren zarten Fuß auf Waiblinger Gemarkung setzten, ist mehr als ungewiss

Frida Ruoff: Busfahrerin und erste Gemeinderätin

Ganz anders dagegen die Frau auf dem Foto aus dem Jahre 1929. In schicken dreiviertellangen Hosen steht sie vor einem Bus mit der Aufschrift. Stuttgart Paris. E genhändig hat Frida Ruoff den firmeneigenen Bus in die Seine-Metropole kutschiert Nichts Außergewöhnliches für eine Frau, die 1956 als erste Frau in die Männerdomäne Gemeinderat einbrach.

Waiblingerinnen haben politische und wirtschaftliche Geschichte geschrieben und das Werden manch‘ berühmter um auch weniger berühmter Waiblinger vom ersten Atemzug an mitbestimmt. Da „Freila Schnell“ war so eine. Die Tochter aus Hause der „Geheimen Mühle“ war eine resolute Frau, so erinnert sich die Zeitzeugin Irmgard Hess, deren Erinnerungen im Begleitheft zur Ausstellung abgedruckt sind. Einem Mann, der einer Frau kurz vor deren Niederkunft das Autofahren verbieten wollte, beschied „d'Hermese“ knapp „Ihr Frau isch koi Kend, sie griagt blos ois.“

Die Ausstellung zeigt Frauenleben in ihrer ganzen Vielfalt. Von der Malerin Luise Deicher, die angesichts der Judenverfolgung, die sie im eigenen Familien- und Freundeskreis miterleben musste, ihre schöpferische Kraft verlor, bis zu Lioba Emez, der ukrainischen Zwangsarbeiterin, die im Waiblinger Kreiskrankenhaus an Lungenentzündung starb. Oder schlicht am Heimweh

Die Suche nach den Frauen, die in Waiblingen Geschichte machten, ging mehreren Spuren nach, berichtete Angela Dietz. Hilfe kam vom Stadtarchiv und vom Museum. Bücher wurden gewälzt und Zeitzeugen befragt. Je weiter indes die Forschung in Gerichte zurückgeht, desto schwieriger gestaltet sich die Suche, Frauen tauchen dann oft nurmehr auf, wenn sie gegen herrschendes Gesetz verstoßen haben. Wie die angebliche Kindsmörderin Anna Barbara Schmid etwa. Im Frühjahr 1770 wird im Wald bei Hegnach ein totes Kind gefunden. Die ledige 30-jährige Dienstmagd Anna Barbara Schmid gerät in Verdacht. Sie gesteht zunächst eine Fehlgeburt. Als Vater gibt sie den Knecht des „Cronenwirths“ an. Anna wird in Tübingen zum Tode verurteilt, widerruft, wird gefoltert und schließlich am 22. September 1770 hingerichtet. Über den Kindsvater ist weiter nichts bekannt.

Zehn Frauen wollten sich die Geschichtsarbeiterinnen der FraZ-Werkstatt ursprünglich vornehmen. Geworden sind's 17, und abgeschlossen ist das Thema Frauen in Waiblingen noch lange nicht, sagt Angela Dietz. Das Leben der Arbeiterinnen in der Seidenstoffweberei Küderli soll näher untersucht werden, ebenso entsteht derzeit eine Arbeit über das ehemalige Kinderkrankenhaus in Waiblingen.

Wenn schon nicht Kaiserin Gisela oder Herzogin Sabine von Württemberg jemals in Waiblingen waren, so waren und sind doch genügend andere bedeutende Frauen in der Stadt zu Hause.

Info:

Zu sehen ist die Ausstellung „Momente der Geschichte von Frauen“ im Bürger-zentrum, zusammengestellt von der Frauengeschichtswerkstatt des FraZ, noch bis zum 28. Mai täglich von 15 bis 17 Uhr.

WKZ 26.4.2000 Richtig süß - „Momente der Geschichte“

Richtig süß
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 26.4.2000  

Richtig süß

Jörg Nolle

Die Fraz-Frauen sind auf ihre Art richtig süß, wie ein Fra(t)z dem gemeinen Sprachgebrauch zufolge auch zu sein hat. Jetzt wird es aus ihrer Hand eine Ausstellung geben zu „Momente der Geschichte von Frauen.“ Dazu sind „Frauen und Männer eingeladen“, das Gemeinschafts-bezeugende und extra noch unterstrichen im Einladungstext.

Das ist tröstlich und hat am Beginn des 21. Jahrhunderts regelrecht Erlösungscharakter. Wir Männer-Hunde müssen nicht mehr draußen bleiben. Würde ja auch schlecht gehen, weil die Schau im Rahmen der Frauengeschichtsforschung im Bürgerzentrum stattfindet und nicht im Bürgerinnenzentrum. Wobei gerade die Tatsache, dass das Bürgerzentrum Bürgerzentrum heißt, signalisiert: Es bleibt noch viel zu tun.

Und, bitte, bitte, sagt uns: Wir Männer dürfen der Schau doch hoffentlich nicht nur deshalb angesichtig werden, weil es sich um tote Frauen handelt? Im Rauch der Geschichte abgehangen, von Historikerinnen zur Besichtigung frei-gegeben.

„Momente der Geschichte“

„750 Jahre Waiblingen Momente der Geschichte von Frauen“ heißt eine Ausstellung der Frauengeschichtswerkstatt des Frauenzentrums FraZ, die am 2. Mai, 18 Uhr, im Foyer des Welfensaals eröffnet wird und erstmals der „Geschichte von Frauen in Waiblingen nachgeht“. 17 Frauen und Institutionen werden in Bild und Wort vor-gestellt und sollen „auf Weiteres neugierig machen“. Zur Vernissage spricht Mascha Riepl-Schmidt über Therese Huber: „Ich will Wahrheit tauschen gegen Glück“. Die Schau ist bis zum 28. Mai täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet. „Frauen und Männer“ sind laut Pressetext „herzlich eingeladen“

von 1994 bis 1999

WKZ 20.12.1999 Mit kleinen Tricks zum Geschenkeknüller

Geschenkeknüller
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 20.12.1999 

Mit kleinen Tricks zum Geschenkeknüller

Efeu und Hagebutte am Flaschenhals: Es kommt nur auf die Verpackung an / Tipps im FraZ

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Kurz

Die obligatorische Flasche Wein für den Nachbarn zu Weihnachten. Das hat sich seit Jahren so eingespielt, das muss so sein. Was nicht sein muss: die lieblose Tüte, in der das Fläschle bekanntlich steckt. Diese kann man mit ein bisschen Phantasie geschmackvoll aufpeppen. Gundi Kawik hat im Frauenzentrum (FraZ) gezeigt, wie's geht.

Tipps für fetzige Verpackungen stand am Freitagabend im Waiblinger Frauenzent-rum auf dem Programm.

Im Gemeinschaftszimmer herrscht gemütliche Atmosphäre Fünf Frauen sitzen mit einem Glas Glühwein in der Hand vor einem Tisch, der vollgepackt ist mit Bast, Reben, Maschendraht, Schleifen und riesigen Bogen Geschenk- und Packpapier. Daneben stehen die Geschenke, die eingepackt werden sollen. Duschbäder, Honiggläser, Kinderschlafanzüge und ein Wecker

Die Damenrunde ist sich einig: „Das Auspacken ist doch beinahe das Schönste an Weihnachten.“ Das Rascheln von Geschenkpapier, die gespannten Gesichter -einfach herrlich“, meint Gundi Kawik, die den Abend leitet. Gundi Kawik ist Dekorateurin von Beruf und sorgt dafür, dass Schaufenster in der Waiblinger Geschäftswelt zur Zeit kein tristes Dasein fristen, sondern in herrlichem Weihnachtsglanz erscheinen. Langweilig, meint sie, müssten auch Geschenkeverpackungen nicht sein. Es gehe auch ohne rote Schleife auf langweiligem Papier. „Es gibt so viele tolle Möglichkeiten, die auch gar nicht aufwendig und teuer sind“, weiß die Waiblingerin.

Ihre Ideen holt sie sich direkt aus der Natur, bei Spaziergängen durch den Wald und durch die Weinberge. Deswegen sind für die Dekorateurin Naturmaterialien wie Reben, Efeu oder Hagebutten der Blickfang auf einem Geschenk. „Bücher oder CDs, die durch ihre spezielle Form sofort zu erkennen sind, erhalten so einen ganz anderen Charakter.“ Ein Buch, zum Beispiel, wickelt Gundi Kawik in Packpapier ein, danach beklebt sie ein Stoffband mit getrockneten Hagebutten und wickelt dieses dann um das Päckchen. Eine Flasche Wein wird mit silbernem Maschendrahtzaun umwickelt, mit Efeu umrankt und mit ein paar getrockneten Rosen beklebt - da sage noch einer, eine Flasche Wein sei ein langweiliges Geschenk!

Der Nachteil: Aufregende Verpackungen führen nicht selten zu Frust unterm Weihnachtsbaum. Eine Dame, die gerade ein Duschbad künstlerisch verhüllt, erinnert sich: „Meine Freundin sammelt mit großer Leidenschaft Fingerhüte. Da habe ich mir letztes Jahr überlegt, das ganz aufregend einzupacken.“ Also hat sie eine kleine Landschaft gebastelt, darauf den Fingerhut plaziert und schließlich ihr Kunstwerk mit Klarsichtfolie umwickelt, womit sie der Beschenkten die Gelegenheit geben wollte, die Sache in Ruhe zu betrachten. Eine geschlagene Stunde hat das Verpacken gedauert, und was macht die Freundin? „Kommt da her und reißt mit einem Ratsch alles auf.“ Das tut weh. Die Nachbardamen seufzen mitfühlend.

Und während sie ihre gerade liebevoll verpackten Geschenke betrachten und womöglich überlegen, ob sie diese überhaupt rausrücken, kommt ein weiterer Zweifel an der Verpackungskunst auf. Sie weckt nämlich unter Umständen falsche Hoffnungen. „Ich glaube, wenn ich solch ein kunstvoll eingepacktes Geschenk bekommen würde, mit Schleifchen hier und silberner Hortensie dort, und würd's mit Spannung aus-packen, und da kommt nur ein Päckchen Tee heraus das wär schon ganz schön enttäuschend“, sagt Eva-Maria Fessmann. Sie hat sich mit ihrer Familie eine besonders ökologische Lösung für das Weihnachtspapier einfallen lassen. Geschenke inner-halb der Familie werden in farbige Stofftücher eingewickelt, die jedes Jahr zu Weih-nachten aus der Schublade wieder hervorgeholt werden. Geschenke indes, die das Haus verlassen, werden nach den Ideen von Gundi Kawik aufgepeppt. Eine der Verpackungskünstlerinnen weiß aus Erfahrung: „Damit ist man immer der Knüller auf dem Weihnachtsfest.“

Wenn's nur nicht immer so lange mit dem Auspacken der verschnörkelten Geschenke dauern würde...

Bildunterschrift:

Verpackungskünstlerinnen unter sich. Dekorateurin Gundi Kawik zeigte den Frauen im FraZ, wie's geht.
Bild: Bernhardt

WKZ 20.7.1999 „Erfräuliches“ im ausverkauften Kameralamtskeller

Erfräuliches
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 20.7.1999  

„Erfräuliches“ im ausverkauften Kameralamtskeller

Zweite Frauen-Nacht von FBS, FraZ und Bücherei / Wein, Weib und Gesang / „Besser als Männer sind Frauen nicht“

Von unserer Mitarbeiterin Sigrid Krügel

„Laß mich Dein Badewasser schlurfen, einmal Dich abfrottieren dürfen, und deine Oberweite messen und alle and‘ren Frau‘n vergessen, vergessen. (Badewasser-Song)“

Wein, Weib und Gesang wenn das keinen vergnüglichen Abend verspricht. Wein floß im Kameralamtskeller in Strömen, denn Weiber waren‘s um die 100.“Ausverkauft!“ verkündete das Schild am Eingang schon um Viertel vor acht. Wer sich mit einem Stuhl in der Ecke begnügte, wurde aber noch reingelassen. Und was den Gesang angeht: „Jede Frau hat ein süßes Geheimnis.“ Und das von Christine van de Moosdijk (Rondo Mammamia) heißt Badewasser-Song und brachte den Keller noch-mal zum Toben, bevor die lange Nacht zu Ende ging. Viel zu früh übrigens, so die Nimmermüden gegen Mitternacht

Es war die zweite lange Frauen-Nacht, zu der Familien-Bildungsstätte, Frauenzentrum und Stadtbücherei geladen hatten. „Es ist eine junge Tradition“, so FBS-Chefin Inge Rosenke. Und es gibt Neues in Waiblingen: die Frauenbeauftragte Ingrid Hoffmann zum Beispiel, die am 6 September mit ihrer Arbeit beginnt. Und sich im Kameralamtskeller all denen zeigte, die sie bisher noch nicht kannten. Oder die gute Zusammenarbeit zwischen FBS, Stadtbücherei und FraZ - „die solche Veranstaltungen wie diese heute abend möglich macht“ (Rosenke). Beim Programm hatten die Veranstalterinnen dagegen auf Bewährtes gesetzt: mit dem Stuttgarter „Dein Theater“ und seinem Programm „Erfräuliches von Frauen, die sich trauen“ sowie den Waiblinger Musikerinnen „Rondo Mammamia“.

Sie nennen sich „ein Theater auf Bestellung“ und sind allesamt freischaffende Künstlerinnen und Künstler. Seit neuestem hat „Dein Theater“, in Waiblingen vertreten durch Anne Buschatz, Jacqueline Heiler, Gesine Keller, Stefan Österle, Martina Schott, Grudrun Remane und Elisabeth Werner, auch ein eigenes Haus: in der Werastraße in Stuttgart. Literarisch-kabarettistisch-musikalisch sind die Programme. Verständlich und unterhaltsam. Gesang und Requisite sind eins. Denn was wäre der schönste Jodler ohne die Kuh, die dazu verständnisvoll den Kopf wiegt, was wäre „Ganz in Weiß“ ohne ein Brautpaar, das sich dazu leicht deppert in die Arme sinkt. Schließlich kriegt hier jeder sein Fett ab. “Besser als Männer sind Frauen nicht.“ Es gibt immer solche und solche.

Es gibt allerdings auch besondere Männer. Meint Karl-Heinz, der einzige Mann beim „Dein Theater“. Solche wie unsere Ex-Bundespräsidenten Weizsäcker und Herzog. Richtige Humanisten. Die so quatschen können, daß keiner sauer ist. Denn: „Der Humanist redet und sagt nicht viel“. Sagt Karl-Heinz. Karl-Heinz ist im übrigen auch ziemlich anspruchslos. Was ist, das ist. Im Zweifelsfalle „Demokratie. Das müssen wir aushalten, irgendwie“.

Ameisen werden wunderbar geführt „weil kein Mann sie regiert“

Ganz anders im Tierreich. Da wird nicht ausgeharrt, da wird geschafft. „Im Ameisenhaufen ist keiner ohne Arbeit“, sagt die Ameise. „Wir haben von Anfang an unsere Königin. Werden wunderbar geführt, weil kein Mann uns regiert!“ Bei den Menschen dagegen ist die Frau nur Staffage. „Frauen sind froh, wenn Männer was sind.“ Statt selber was auf die Beine zu stellen.

Das freilich kann man von „Rondo Mammamia“ nicht behaupten. Seit fünf Jahren machen Waltraud Malcherczyk, Christine van de Moosdijk, Eva-Marie Fessmann und Gerlinde Belau zusammen Musik. Für die lange Frauen-Nacht hat das Quartett vor allem alte Schlager ins Repertoire aufgenommen. „Heute nacht oder nie“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Kriminal-Tango“ und „Pigalle“ - wenn es nach dem Publikum ging, könnten die vier Musikerinnen endlos weiterspielen. Doch irgendwann ist auch „In der Bar zum Krokodil“ am Ende Feierabend. Aber keine Angst, die nächste Frauen-Nacht kommt bestimmt. Mit Schwof, wie Inge Rosenke gegen später schon mal laut überlegt. Dann heißt es bis in die frühen Morgenstunden: „Oh Donna Clara, ich hab‘ dich tanzen geseh‘n...“

Freischaffende Künstlerinnen und Künstler bieten Theater auf Bestellung an

Bildunterschrift:

„Der Humanist redet und sagt nicht viel“: Waiblinger Frauen-Nacht mit Alt-Bundespräsident von Weizsäcker und „Dein Theater“. Bild: Schneider

WKZ 21.4.1999 Lea spielt Lego, und Mamas Kaufkraft fließt

Erfräuliches
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 21.4.1999 

Lea spielt Lego, und Mamas Kaufkraft fließt

Kostenlose Kinderbetreuung des Vereins Innenstadtmarketing im FraZ nicht mehr voll ausgelastet / Umzug zur FBS?

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Benkert

„Idealer kann's gar nicht sein“: Elsbeth Siegle kocht sich Kaffee in der FraZ-Küche, Töchterchen Isabell spielt nebendran im Mini-Club Mensch-ärgere-Dich-nicht, draußen auf dem Flur stapeln sich die Einkäufe und pressieren tut‘s auch nicht, weil drei Stunden Parken auf dem Wasen bloß eine Mark kosten.

Jeden Donnerstag kommt die Weinstädterin nach Waiblingen, „ich mach‘ meine Tour, Bücherei, Handarbeitsladen, Bastlergeschäft, Buchhandlung und hinterher trink ich im Frauenzentrum meinen Kaffee." Der Donnerstag ist auch „Jour fix“ für ihre Tochter. Zum Einkaufen hat sie keine Böcke, viel lieber kehrt sie ein im Mini-Club, sie ist schon richtig „daheim hier“ Isabell ist Stammkind" bei der Kinderbetreuung des Vereins Innenstadtmarketing im Fraz. Während Mama shopping geht oder Probleme wälzt mit anderen Müttern im Frauenzentrums-Café, schneidet die Siebenjährige zusammen mit Betreuerin Sonja Watzka Schmetterlinge aus. Sie sollen als frühlingsfrischer Fensterschmuck die putzigen Hasen ablösen, die Isabel schon vor Ostern gebastelt hat. Klein-Antonia schaut gebannt zu und streichelt ihre Spielzeugkuh, Marek weiß noch nicht so recht, was er tun soll, Lea und Dalia machen sich schon mal über die Legosteine her. Alles wunderbar, alles paletti bei der kostenlosen Waiblinger Kinderbetreuung? Eben nicht: „Wir sind ein bißchen traurig. daß im Moment nicht so viele Kinder kommen“, wirbt Silke Kleinmann-Sauter, Vorsitzende des Vereins Innenstadtmarketing, für ein Angebot, das im Oktober 1997 eingerichtet worden war, um was für eine „familienfreundliche Innenstadt zu tun“

Wir sind ein bißchen traurig, daß im Moment nicht so viele Kinder kommen

Anfangs waren auch viele in die Lange Straße 24 gekommen an den Dienstagen, Donnerstagen und Freitagen jeweils zwischen 15 und 18 Uhr. Durchschnittlich acht Buben und Mädchen, alle über zwei Jahre alt, tummelten sich in der Regel für rund zwei Stunden im kunterbunten Spielzimmer. Fast 18 000 Mark, rund ein Fünftel seines Gesamtetats, hat sich das Innenstadtmarketing die neue Errungenschaft in Kooperation mit Familien-Bildungsstätte und Frauenzentrum jährlich kosten lassen. 11000 Mark werden allein für die Betreuerinnen bezahlt, die FBS schickt dafür erfahrene Kursleiterinnen ins FraZ. 3000 Mark sind an Miete fällig, für Werbung mittels Poster und Anzeigen wurden im vergangenen Jahr nochmal fast 4000 Mark ausgegeben. Doch nun dümpelt die Sache ein wenig vor sich hin - trotz der Tüte Gummibärchen, die jedes Kind zur Begrüßung bekommt.

Der Rückgang, so Silke Kleinmann-Sauter, habe sicher auch damit zu tun, daß einige der Kleinen jetzt in den Kindergarten gekommen seien und somit die Mütter diesen Freiraum für sich nutzen können. Andererseits, mutmaßt sie, könne auch eine gewisse „Schwellenangst beim FraZ“ eine Rolle spielen. Oder das für Kinderwägen ungünstig gelegene Logis im ersten Stock. Ohnehin war das Frauenzentrum von Anfang an eine Kompromißlösung gewesen, lieber hatte der Verein in der Karlstraße 10 bei FBS oder Volkshochschule logiert. Der gravierende Platzmangel dort hat‘s vereitelt doch seit die FBS jetzt auch die Karlstraße 20 anmieten konnte, werden die Karten neu gemischt. Vollends, nachdem Kursteilnehmerinnen bei der Familien-Bildungsstätte immer stärker eine eigene FBS-Kinderbetreuung anmahnen. Zwei Fliegen mit einer Klappe und rauf mit der Kinderbetreuung in die Karlstraße?

Angedacht ist dies, zusammen mit FBS-Chefin Inge Rosenke, einfach weil wir uns fragen, ob unser Angebot verbesserungs-würdig ist, so Silke Kleinmann-Sauter. Doch nach Rücksprache mit ihren Beiratsmitgliedern sieht‘s nun doch so aus, als bliebe man lieber im Fraz, die Zentralität hat den Ausschlag gegeben. Ganz im Sinne von Elsbeth Siegle und Isabell: „Wir laufen sieben Minuten vom Wasenparkplatz hierher geschickter geht's nicht.“

Immer wieder reinschauen, damit die Kinder vertraut werden

Jetzt sollten bloß noch mehr Innenstadt-Kundinnen und -Kunden den Service auch nutzen. Streßfrei beim Friseur sitzen, den Arztbesuch nicht verschieben müssen, in Ruhe mit Freundinnen klönen oder die Kaufkraft munter fließen lassen der Mini-Club macht‘s möglich. Kids entspannt, Eltern nicht minder und für den Verein Innenstadtmarketing würde sich der finanzielle Aufwand auch wieder lohnen. Geworben wird längst in Kindergärten und Schulen, überlegt wurde auch, schon Kleine ab einem Jahr einzuladen, aber da „muß die Betreuung intensiver sein“. Manchmal fremdeln die Kinder auch arg, lassen sich von Sonja Watzka und ihren Kolleginnen gar nicht beruhigen und ziehen mit einer genervten Mama gleich wieder ab. Da hilft nur eins, so Silke Kleinmann-Sauter, deren eineinhalbjährige Antonia als echtes Geschwisterkind keinerlei Integrationsprobleme hat: „Immer wieder reinschauen, damit die Kinder vertraut werden.“ Bei Lea, dem Blondschopf bei den Legos, ging‘s auch nicht von heut‘ auf morgen. Doch wenn jetzt die Mama kommt zum Abholen, schaut sie kaum auf: „Scho?“

🛈 Mütter und Väter, die beim Verein Innenstadtmarketing Tips und Anregungen los werden wollen für die kostenlose Kinderbetreuung- und vielleicht auch gerne Stellung nehmen zum möglichen Alternativstandort bei der Familienbildungsstätte - können anrufen unter Telefon 956898 bei Geschäftsführerin Stefanie Gerloff.

Bildunterschrift:

Na, wie wär's mit 'ner Runde Lego? - Antonia (Mitte) als kleine Animateuse bei der Kinderbetreuung des Vereins Innenstadtmarketing, genannt „Mini-Club“, im FraZ
Bild: Habermann

WKZ 11.3.1999 „Nanas“ und Musik

„Nanas“ und Musik
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 11.3.1988  

Frauenzentrum Waiblingen

„Nanas“ und Musik

„Nanas rund und bunt" heißt die Ausstellung von Marisol Simon, die am Sonntag, 21. März, im Waiblinger Frauenzentrum eröffnet wird. Dazu spielt „Rondo Mammamia" Klassik, Folklore und Evergreens.

Am Sonntag, 21. März, ist Frühlingsanfang. Und im Waiblinger Frauenzentrum FraZ ist wieder Zeit fürs monatliche Frauenfrühstück, bei dem der Winter verabschiedet wird mit Vernissage und Musik. Marisol Simon heißt die Künstlerin, deren „Nanas“ rund und bunt, vom 21. März bis 18. Juni im FraZ zu sehen sind. Die Waiblingerin, geboren 1957 in Chile, Übersetzerin, Mutter von drei Kindern und FraZ-Frau der ersten Stunde, entwirft ihre Objekte aus Holz mit sicherem Formgefühl und lustvoller Farbgebung - inspiriert von Niki de Saint Phalle. Ihre „Nanas“ oder Mädels, wie sie sie nennt, strotzen vor Vitalität, Erotik und Lebensfreude.

Der Frühlingsanfang bietet im FraZ aber nicht nur was fürs Auge, sondern auch etwas fürs Ohr. Deshalb spielt die Waiblinger Gruppe „Rondo Mammamia“ zum Frauenfrühstück auf. Mit Waltraud Malcherczyk, Flöte, Christine van de Moosdijk, Geige, Eva-Maria Fessmann, Cello und Gerlinde Belau, Klavier. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr im Frauenzentrum in der Langen Straße 24.

WKZ 9.10.1998 FraZ: „Das, was Frauen sind“

FraZ: Das, was Frauen sind
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 9.10.1998 

FraZ: „Das, was Frauen sind“

Kristine Zilian im Frauenbeirat über das Zentrum: „langfristig“ Hauptamtliche nötig

(bin).

115 Mitgliedsfrauen, „Tendenz steigend“. Gleichberechtigung als Grundsatz mit dem „großen Ziel“, weibliche Maßstäbe in der Gesellschaft geltend zu machen: Vorsitzende Kristine Zilian stellte im Frauenbeirat die ausformulierte Konzeption des Frauenzentrums (FraZ) vor. Und machte deutlich, daß der Verein „langfristig eine hauptamtliche Kraft braucht“.

Im September 1994 gründete sich der Verein FrauenZentrum Waiblingen, seit gut zweieinhalb Jahren logiert er in der Langen Straße 24. 115 Mitgliedsfrauen bilden die Basis für Aktionen und Angebote. „Fraz ist das, was Frauen sind,“ beschrieb Kristine Zilian in ihrem Bericht vor dem Frauenbei-rat die Keimzelle des „von Frauen für Frauen“ ins Leben gerufenen Zentrums.

„Die Kaffeefrauen sind da überfordert“

Ein Slogan, der sich mittlerweile wohl herumgesprochen hat: Von zahlreichen Anrufen, auch spätabends berichtet Zilian: „Können Sie einen guten Anwalt empfehlen“, werden FraZ-Frauen da etwa gefragt, auch nach der Adresse für eine Co-Alkoholiker-Gruppe oder der Telefonnummer fürs Frauenhaus. Mitunter werden sie auch von einer verzweifelten Frau um eine Bleibe angefleht, die von ihrem Mann verprügelt und hinausgeworfen wurde. „Da sind unsere Frauen, die Kaffeedienst machen, natürlich überfordert“, schildert Zilian die prekäre Situation. Denn zwar will das Fraz eine Anlaufstelle sein, in die Frauen mit verschiedensten Anliegen kommen können, jedoch sind‘s Ehrenamtliche, die sich dort engagieren. „Wir können das nicht leisten"

„Glauben Sie mir, das löst keine Probleme“

Weshalb „langfristig“ auch eine hauptamtliche Mitarbeiterin her soll. „Das ist ein ganz großer Bedarf“. Was unter den Frauen am Beiratstisch Unruhe hervorrief: Abends um halbzehn sei die auch nicht mehr da, glauben Sie mir, das löst keine Probleme warnte DFB-Stadträtin Beate Dörrfuß eindringlich vor quasi eigenmächtiger sozialer Beratung. Und CDU-Kollegin Nelly Däs verwies auf das Rathaus-Frauentelefon und die auf solche Fälle spezialisierten „Seelsorger“. Ein Mißverständnis, wie sich herausstellen sollte: Die Hauptamtliche soll nur Ansprechpartnerin sein, „Wegweiserberatung“ bieten, also Adressen und Informationen vermitteln. Vor allem aber soll sie die im Zentrum eingehenden Informationen sammeln, bündeln und weitergeben und damit den FraZ-Anspruch, „Schaltstelle“ sein zu wollen, erfüllen. Und die Finanzierung? „Da haben wir noch keinen Plan“, ließ Kristine Zilian wissen.

Die Kaltmiete für die Räume bekommt der Verein auf jährlichen Antrag von der Stadt, so begehrt sind die mittlerweile, daß sie schon fast „knapp“ werden. Eine Aussage, die Nelly Däs, offensichtlich alarmiert von den anstehenden Haushaltsberatungen, erneut auf den Plan rief „Brauchen Sie etwa größere, neue?“, wollte sie wissen. Und ob Fremdnutzer denn nichts zahlten? Ans Umziehen denke der Verein nicht, beruhigte Kristine Zilian, auch werde eine Aufwandsentschädigung verlangt, wir verfolgen jedoch ideelle Ziele, wollen kein Geld verdienen. Beate Dörrfuß plagten in dem Zusammenhang ganz andere Sorgen: Für ganz schlecht hielte sie es, wenn bei der Raumvergabe immer nur an Arme, Mittellose gedacht werde, das vermittelt ein „Frauenbild, das nicht mehr aktuell ist“. Die Gefahr bestünde doch, daß man andere Frauen ausschließe Eine Schlußfolgerung die Kristine Zilian fast sprachlos machte Und die DFB-Rätin zur näheren Erläuterung ermutigte „Klug und wichtig“ sei es, Frauen mit mehr Selbstwertgefühl und „Power“ anzusprechen lobte sie das „gute“ Kulturprogramm: „Ich meine, Sie müssen anspruchsvolle Frauen ansprechen.“ Mehr Power, mehr Selbstbewußtsein, sei sicher wünschenswert, stimmte Zilian ihr zu, „man darf Frauen aber nicht überrennen“.

„Gut, daß das Programm so weitläufig ist“

Kommunalpolitisch wollen sich die FraZ-Frauen einmischen, zu politischem Handeln ermuntern, Kultur von und für Frauen bieten „gut, daß das Programm so weitläufig ist, daß es viele erreicht“, befand Hans-Peter Gutheinz (Ali/Grüne) in Vertretung von Sabine Zeiner am Ende. SPD-Rätin Maria Schmidt hörte aus der Diskussion „den Ruf nach einer Frauenbeauftragten“ heraus. FraZ und Frauenbeauftragte könnten sich nämlich wunderbar ergänzen.

Bildunterschrift:

Großer Andrang bei der Einweihung, die Fraz-Mitgliederzahl steigt. Archivbild: Züm

WKZ 6.10.1998 Fotokalender: Vom Abfahren und Ankommen

Vom Abfahren und Ankommen
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 6.10.1998  

Vom Abfahren und Ankommen

„Frauenblicke 1999“, der Kalender nach dem Wettbewerb

Waiblingen (no).

Hier sitzt sie, und wann sie abgeholt wird, ist nur eine Frage des Fahrplans. Das Februar-Blatt des Kalenders „Frauenblicke 1999" hat seine formal-ästhetischen Qualitäten, erzählt aber auch eine kleine Geschichte vom Abfahren und Ankommen. Und es steht beispielhaft für die Güte dieses Durchs-Jahr-Führers, der von Frauenzentrum Waiblingen (kurz: FraZ) herausgegeben wurde. Mehr noch: Die FraZ-Frauen haben zum Wettbewerb aufgerufen, das von weiblicher Intuition und technischem Können gelenkte Kameraauge sollte den Alltag im fraulichen Leben auf Großformat proiezieren oder auch einfach Frauenköpfe aus der Masse hervorheben. Sei's die „Backnanger Mädchenfrau“, so der Januar-Titel, oder die Obdachlosenschwester vor dem Kruzifix. 30 Frauen und Mädchen reichten 80 Arbeiten ein, da war die Jury gefragt. Die jüngste Einsenderin ist 12, die älteste 70. Damit ist ein Wunsch der Initiatorinnen in Erfüllung gegangen: Frauen sollen selbst (fotokünstlerisch) tätig werden und Kultur nicht einfach konsumieren. So sieht die FraZ-Vorsitzende Kristine Zilian das Ziel feministischer Interessenvertretung. Zu haben ist der Kalender in praktisch allen Buchhandlungen im Rems-Murr-Kreis.

Bildunterschrift:

Das Februar-Blatt im Frauenkalender, aufgenommen von Maren Naundorf aus Fellbach.

WKZu 28.2.1998 Klick: Frauenblicke auf weibliche Augenblicke

Frauenblicke auf weibliche Augenblicke
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 28.2.1998  

Klick: Frauenblicke auf weibliche Augenblicke

Die zwölf besten Fotos aus dem Wettbewerb „Frauen sehen Frauen durch das Auge der Kamera“ 1999 als Kalender

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Reichle

Frau sieht Frau durch die Kamera. Ein Wettbewerb gab den Anstoß. 30 Frauen aus dem Rems-Murr-Kreis haben sich von dieser Aufgabenstellung inspirieren lassen und 80 Fotos der Jury im Waiblinger Frauenzentrum zur Auswahl überlassen. Gestern präsentierten die FRAZ-Frauen die Bilder der Öffentlichkeit. Die nach Meinung der Jury zwölf schönsten wurden mit einem Preis belohnt.

Zwei Dinge haben die ausgestellten Fotos gemeinsam. Sie sind alle schwarz-weiß fotografiert, somit stört kein buntes Farbrauschen den Blick auf die Szenerien. Zweite Gemeinsamkeit: Die Bilder zeigen Frauenblicke auf weibliche Augenblicke. Frauen - porträtiert von der besten Freundin. Frauen - tuschelnd beim Spaziergang durch die Stadt und erhitzte Frauen beim Plausch im Café nach einer strapaziösen Wanderung.

Indes, Frauen haben nicht nur eine lustige Freizeit. Ironischen Blickes beobachtet Irmgard Maier aus Waiblingen den ganz normalen Alltagsstreß einer Hausfrau „Für meine Familie und mich nur das Beste.“ Auch Desiree Breuninger hat, obwohl erst zwölf Jahre alt, einen durchaus nüchternen Blick auf den weiblichen Alltag Bei ihr kämpft sich Frau mit Kind und Einkaufstasche vor dem drohenden Zeiger der abgelaufenen Parkuhr durchs Leben. Schwer schaffen für ihren Unterhalt und den ihrer Familie muß auch die Inderin, die der Fotografin Maria Czabon ihr Angebot an Gemüse in die Kamera hält.

Über den Tellerrand des deutschen Frauenlebens hat auch Sybille Mauser mit ihren Frauenbildern aus Asien geschaut. Stolz, gar aufmüpfig, blickt eine junge Frau in die Kamera. Im Mundwinkel hängt lasziv eine Zigarre, vor den blanken Busen hat sie sich ihr Baby geschnallt. Frau, Mutter, Rebellin - im Augenblick des Fotografierens zu einer Person vereint.

Keine leichte Aufgabe für die Juryfrauen Cornelia Lang-Müglich, Marianne Majewski, Ursula Sauerzapf und Maria Kick, aus den eingesandten Arbeiten die zwölf bestenauszuwählen. Musik von Eve Brenzing und Rosy Schwing zur Feier der Preisverleihung und einen dicken Scheck von der Volksbank Waiblingen für Maria Czabon aus Korb. Ihr Bild zeigt eine Frau, die mit einem Bein frei schwebend in der Luft hängt, derweil sie mit dem anderen auf der Rückenlehne einer Parkbank balanciert. Eine Situation, in die frau einiges hineininterpretieren kann. Zu-dem technisch raffiniert gemacht, was auch einen Mann beeindruckt. „Wie hat die das gemacht?“, fragt sich nicht nur der Sprecher der Volksbank, Klaus-Jürgen Haag. Er durfte, dank der Schecks in seiner Tasche, ausnahmsweise die ansonsten mannfreien Räume des Waiblinger Frauenzentrums betreten.

Einen zweiten Platz wert war der Jury die Rückenansicht einer Frau am Bahnhof. Augenzwinkerndes Detail dabei ist der Werbeslogan, der schräg hinter der Schönen prangt: „Darauf fahren sie ab.“ Ein Mann hätte dieses Bild nicht schießen dürfen. Provozierend die „Backnanger Mädchenfrau“ von Gisela Rapp, die sich mit diesem Bild den dritten Preis verdient hat. Das Girlie mit Nasenring, Lederjacke und einem Blick, der von einer anstrengenden Nacht erzählt, macht sich sicher gut als erfrischendes Kalenderblatt.

Diese Zukunft steht den zwölf Fotos noch bevor. Für das letzte Jahr in diesem Jahrtausend können sich die Frauen und Männer des Rems-Murr-Kreises jetzt schon auf starke Weibsbilder an der Wand freuen. 1999 wird dann endgültig das Jahr der Frau werden, wenn zwölf ausgewählte Vertrete-rinnen von Januar bis Dezember das Leben vom Kalenderblatt aus begleiten.

Bildunterschrift:

Siegerehrung im Frauenzentrum: Ein Prosit auf das Foto von Maria Czabon, die den ersten Preis machte. Foto: Pavlović

StKu 5.2.1998 Fotopreis im Frauenzentrum

Fotopreis im Frauenzentrum
Zeitungsartikel als Text

Stauferkurier 5.2.1998  

Fotopreis im Frauenzentrum

Vor kurzem wurden die zwölf Gewinnerinnen des Fotowettbewerbs ,,Frauen sehen Frauen durch das Auge der Kamera“ ausgezeichnet. Den mit 1000 Mark dotierten ersten Preis erhielt Maria Czabon aus Korb, den zweiten Preis bekam Maria Schuster aus Waiblingen und der dritte ging an Gisela Rapp, Backnang. Die zum Teil von Waiblinger Einzelhändlern gestifteten Sachpreise gingen an Frauen aus dem ganzen Kreisgebiet. Als Vertreter der Volksbank Waiblingen überreichte Hans-Jürgen Haag einen Scheck für die ersten drei Preise, den Claudia Seibold, zweite Vorsitzende des Frauenzentrums entgegennahm. Aus den zwölf ausgezeichneten Fotos soll ein Kalender für das kommende Jahr gemacht werden.

WKZ 2.5.1997 Ein leiser Tod im letzten Kriegswinter

Zwangsarbeiter
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 5.2.1997  

Ein leiser Tod im letzten Kriegswinter

FraZ-Geschichtswerkstatt zum Schicksal der Zwangsarbeiter / Walja, 21 Monate, Tod durch Lungenentzündung

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Benkert

Es ist das winzige Grab hinter der Ligusterhecke, von Efeu überwachsen, in einer Ecke des Waiblinger Friedhofs. Walja Alexandrowa liegt dort, 21 Monate alt ist sie nur geworden, Kind einer Zwangsarbeiterin, gestorben an Lungenentzündung. Ein leiser Tod im letzten Kriegswinter 1945 - ein Tod, der uns nicht berührt?

Drei Frauen sitzen an einem kleinen Tisch im unwirtlichen Hinterstübchen des Museumsbüros in der Häckermühle und leisten Basisarbeit die Köpfe über staubigen Akten, von ihrer Lektüre gefangen. Was ist bloß so spannend an losen Blättern in muffigen Kladden? „Wir wollen dahinter-schauen“, sagt Angela Dietz. Die Frauen der FraZ-Geschichtswerkstatt schlagen ein Kapitel Waiblinger Vergangenheit auf, mit dem sich so intensiv noch niemand beschäftigt hat: dem Schicksal der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg. Wichtig sind dem Frauenzentrum die Menschen hinter den Zahlen und Daten draus werden soll ein möglichst umfassender Beitrag für die Nationalsozialismus-Ausstellung von Museums-Historiker Hans Schultheiß.

„Mensch, guckt“, schwenkt Susanne Frank, Studentin der Geschichte, ein hoch amtliches Papier, das „Verzeichnis über die Hinterlassenschaft verstorbener russischer Staatsangehöriger“. Papenkof, Wasel, heißt es da lapidar, wurde in der Nacht vom 6. auf 7. November 1942 bei der „Flucht aus dem Lager erschossen“. Er war gerade 19, Fremdarbeiter in einer Waiblinger Werkzeugfabrik, wohnhaft im Lager der Ziegelei Heß im Ameisenbühl. Kein leiser Tod diesmal. Die drei Frauen halten einen Moment inne was er wohl für einer war, wie verzweifelt er gewesen sein mag, wer daheim um ihn trauert? Die FraZ-Geschichtswerkstatt will dafür sorgen, daß Papenkof Wasel, daß Walja Alexandrowa, nicht vergessen sind.

Es ist ein mühsames Geschäft, warum nimmt frau sowas auf sich? Angela Dietz, Hausfrau und gelernte Chemotechnikerin, ist „viel durch Museen gegangen“ und hat nichts über Frauen gefunden „außer Töpfen und Schürzen“. Das will sie hier ändern. Marusch Tzakpin hat einen ganz speziellen Bezug - ihr Vater war Zwangsarbeiter aus der Ukraine, arbeitete auf einem Bauernhof und hat aus dieser Zeit „nur Gutes berichtet, er wollte nie zurück in die Ukraine“.

„Auf den Höfen gab es zu essen und sie hatten immer einen freien Tag pro Woche“

Er heiratete eine Deutsche, lebte in einem Wohnblock in Stuttgart-Birkach ausschließlich zusammen mit ehemaligen Zwangsarbeitern und Sudetendeutschen. Dort wurde auch Marusch groß – „ich hab erst jetzt die Zusammenhänge richtig verstanden“. Sie hat auch verstanden, daß es dem Vater besser ging als den meisten. „Auf den Höfen gab es zu essen, sie hatten immer n, einen freien Tag pro Woche, an dem sie aber trotzdem schafften, für Kartoffeln und Gemüse.“

Weit schlimmer ist es in den Lagern zugegangen, ganz erbärmlich, sagen die FraZ-Frauen, im Frauenlager auf dem Waiblinger Wasen. Wieviele genau dort logierten, wissen sie noch nicht - 460 Zwangsarbeiter ins-gesamt sind bisher aktenkundig, etwa 20 Prozent davon Frauen, herausgezählt aus den nach 1945 erstellten Lagerlisten der Firmen. „An den Herrn Bürgermeister der Stadt Waiblingen“ meldete zum Beispiel zum 24. Juli 1946 die Mechanische Seidenstoffweberei, „1 belgische Zivilarbeiterin, 3 französische Kriegsgefangene, 2 italienische Militärinternierte, 31 russische Zivilarbeiterinnen“, 43 Namen insgesamt.

„Fremdvölkische“ wurden sie genannt, von den nationalsozialistischen Machthabern ins Deutsche Reich verschleppt. Es waren in Kriegsgefangenschaft geratene Soldaten und Zivilpersonen, darunter auch Kinder etwa ab dem 12. Lebensjahr. Aus fast allen von Deutschen besetzten Ländern wurden Menschen deportiert, besonders aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Polen, Frankreich. Ohne die 7,6 Millionen ausländischen Arbeitskräfte, sagen die Historiker, wäre für Deutschland dieser Krieg spätestens im Sommer 43 verloren gewesen.

,,Denn ich bin ein Zweig von einem Baum, dessen Wurzel in Ihrer Erde ruht"

Sie trugen Abzeichen, sagt Marusch Tzakpin, ein P für Polen zum Beispiel. Sie durften nicht mit in die Luftschutzkeller, Hebammenschülerinnen haben an gebärenden Polinnen „geübt“. Volksvermischung war streng verboten anfangs hatten gar die Parteiideologen den Einsatz „slawischer Untermenschen“ abgelehnt. Sie wurden von der Rüstungsindustrie überstimmt und Rüstungsindustrie war beinahe alles, auch das Tomatenpflücken in der Gärtnerei.

Als alles vorbei war, sind viele geblieben, bis heute bestehen Freundschaften zwischen Waiblinger Familien und denen der Zwangsarbeiter von einst. Ljudmila Werchowenko ist erst 1994 gekommen - ans Grab des geliebten Großvaters. Ein schwieriger Weg, der 49 Jahre brauchte. „Pawel Rybakow, September 1944“ steht auf der Tafel im Waiblinger Friedhof, in der Ecke hinter der Ligusterhecke. Dort fand auch Albert Renery, 47, die letzte Ruhe, „Selbstmord durch Erhängen“, vermeldet der Totenschein. Der 22jährige Johann Thoalak aus Polen erlag einer „Granatsplitterverletzung“, vermutlich beim Entschärfen von Blindgängern. Anna Maria Fedor, Zwangs-arbeiterin, starb an einer „Ernährungsstörung“. Sie alle sind bei uns geblieben, Tode, die berühren. „Endlich kann ich mich in traurigem Schweigen vor der Asche des geliebten Menschen verneigen“, hat Ljudmila Werchowenko vor dem Waiblinger Gräber-feld gesagt. Und sie sagte auch dies: „In der kurzen Zeit meines Aufenthaltes in Ihrer Stadt habe ich sie liebgewonnen, denn ich bin ein Zweig von einem Baum, dessen Wurzel in Ihrer Erde ruht.“

Bildunterschrift:

Basisarbeit im Museum: Susanne Frank, Angela Dietz und Marusch Tzakpin von der FraZ-Geschichtswerkstatt studieren die Lagerlisten Waiblinger Zwangsarbeiter - mit besonderem Augenmerk auf die Frauen. Bild: Schneider

WKZ 19.4.1997 Zuschuß oder nicht: Für FraZ die Überlebensfrage

„Zuschuß oder nicht
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 19.4.1997 

Zuschuß oder nicht: Für FraZ die Überlebensfrage

„Einmaliger Vorgang“: Stadt wollte mitten im Rechnungsjahr kürzen / Es bleibt bei 16 800 Mark / „Arme-Leute-Tour“

(gis).

Es ging-auch ums Überleben. Mitten im Haushaltsjahr wollte die Verwaltung dem Frauenzentrum Fraz den fest einkalkulierten Mietzuschuß von 1400 auf 900 Mark kürzen. Für DFB-Rätin Dörrfuß „ein einmaliger Vorgang“, für SPD-Rätin Altpeter „eine inhaltliche Frage“, für CDU-Rat Jenne indes legitim: „Fraz soll nicht auf die Arme-Leute-Tour reisen“. Der Zuschuß bleibt doch.

Es bleibt auch Empörung. „Noch bei keinem Verein sind Sie so vorgegangen wie hier“, rief SPD-Rat Helmut Hekmann an die Adresse der Verwaltung, „wo gucken wir uns denn im April die Überschüsse an?“ In der Tat war auch Erstem Bürgermeister Wössner nicht ganz wohl. „Falls die Ver-waltung Anlaß zu Unsicherheiten gab, bitte ich dies zu entschuldigen.“

Der Anlaß kam völlig unverhofft. Das Fraz, erst seit Dezember '95 in neuen Räumen in der Langen Straße 24, hatte im er-sten Jahr '96 einen jährlichen Mietzuschuß von 16 800 Mark bekommen plus 5.000 Mark „Anschubfinanzierung“. Nachdem das Mietgeld (1400 Mark monatlich) dann von der Verwaltung selbst wieder in den 97er-Etat aufgenommen worden war, schien alles in Butter weder Fraz noch Fraktionen sahen sich zu einem Antrag genötigt. Plötzlich indes fiel der Verwaltung dieser ungewollte Automatismus auf und sie reagierte prompt. Erster Bürgermeister Wössner im Kulturausschuß vor großer Frauen-Kulisse: „Es gibt keinerlei Verpflichtung der Stadt, Haushaltsansätze ganz auszuschöpfen.“ Sprich: Die Verwaltung will ihre Monatsraten erheblich kürzen und für '98 ganz einstellen. Schließlich weise der FraZ-Wirtschaftsplan für '97 einen Überschuß von 1820 Mark aus. DFB-Rätin Dörrfuß machte indes darauf aufmerksam, „daß es diesen bescheidenen Überschuß nur gibt, wenn die Stadt bei ihrer ursprünglichen Zusage bleibt.“ Ansonsten drohe ein Abmangel von rund 15000 Mark. Im übrigen „hat Fraz diesen Zuschuß nötig, um bescheidene Feste oder Veranstaltungen durchzuführen“.

ALi/Grünen-Rat Fazio verwies darauf, daß Fraz „sich nie einen Luxus geleistet hat“, den gebrauchten Herd zum Beispiel habe „er selbst angeschlossen der hält auch nicht ewig“. Und dafür, daß das Frauenzentrum zum Beispiel im ersten Jahr einen Überschuß von 5 700 Mark erwirtschaftet habe, „kann man die Leute doch nicht bestrafen“.

Oder doch? - DFB-Rat Escher wollte auf alle Fälle „mit den 900 Mark der Verwaltung mitgehen“. Seine Fraktionskollegin Dörrfuß („FraZ leistet großartige, ehrenamtliche Arbeit“) plädierte für die ganze Summe: „Eine Stadt wie Waiblingen muß sich ein Frauenzentrum leisten können. vollends wenn das mit 16800 Mark geschehen kann.“

Die inhaltliche Frage stand auch für SPD-Rätin Altpeter zur Debatte: „Wir wollten ein Fraz haben - die verjuxen das Geld doch nicht, sondern leisten viel fürs kulturelle Leben der Stadt.“ FraZ-Vorsitzende Kristine Zilian verwies auf den „unglaublichen Sparwillen, die vielen Eigenleistungen und Sachspenden“ der 100 FraZ-Mitglieder und vor allem der 40 Aktiven – „das ist auf Dauer aber so nicht leistbar“. Dem Wössnerschen Ansinnen, im Café mehr zu erwirtschaften (,,das gehört bei unseren Vereinen zum guten Ton“) begegnete sie mit dem Einwand, die Waiblinger Cafébesitzer befürchteten erklärtermaßen die FraZ-Konkurrenz: „Wir haben uns deshalb stark zurückgehalten.“ FraZ-Gründungsmitglied Charlotte Peters sagte es ganz klar: „Wenn '98 ganz zurückgefahren wird, heißt das das Ende für FraZ.“ Man habe in allen Verhandlungen gesagt: „Wirklich tragen kann sich Fraz nie.“ Die sollen, riet CDU-Rat Jenne, erstmal ihre Mitgliedsbeiträge erhöhen: „Beim VfL zahlt man 120 Mark im Jahr, bei Fraz keine 40.“ Er forderte „mehr Eigeninteresse“. Seinen Anwurf der „Arme-Leute-Tour“ wollte Helmut Hekmann indes nicht auf FraZ sitzenlassen: „Völlig deplaziert an dieser Stelle.“ Schließlich beantragte Fazio den vollen Zuschuß und bekam die Mehrheit mit fünf Ja-Stimmen. Escher und Jenne waren dagegen. CDU-Rat von Pollern und CDU-Rätin Beiren enthielten sich.


Briefe an die Redaktion

Gehätschelt

Betr.: Fraz kämpft ums Überleben, Artikel der WKZ vom 19. April

Wer „bescheidene Feste“ feiern möchte wie das „Fraz“, sollte für dies auch aufkommen. Es zeugt von einem unangebrachten Anspruchsdenken, zu meinen, auf fremder Leute Kosten Feste feiern zu müssen, und seien sie noch so bescheiden. Daß Veranstaltungen nur auf der Grundlage sicherer städtischer Zuschüsse durchgeführt werden können, spricht nicht für den Ideenreichtum und die Eigeninitiative der Mitglieder. Vereine, die bescheidene Feste zum Anlaß nahmen, selbst Geld zu verdienen, und sich ihre Veranstaltungen nicht in diesem Maße von der Stadt sponsern lassen können, werden es nicht verstehen können, daß das „Fraz“ von der Stadt so gehätschelt wird.

Albrecht Grimm
Gänsäckerstr. 23, Waiblingen

Voll am Kern vorbei

Betr.: „Gehätscheltes Frauenzentrum“ Leserbrief von Herrn Grimm in der WKZ vom 23. April

Sehr geehrter Herr Grimm, ich verstehe ihren Grimm darüber, daß „bescheidene Feste des FraZ von der Stadt Waiblingen bezuschußt werden“. Wenn es nur so simpel wäre! Diese bescheidende Sichtweise der Frauenfrage geht voll an dem Kern der Dinge vorbei. Auch wenn wir seit jüngster Zeit ein Gleichstellungsgesetz haben, auch wenn wir Frauen seit 1919 das Frauenwahl-recht haben, sind wir - die Hälfte der Bevölkerung doch noch meilenweit von der Gleichberechtigung entfernt. Ich denke an die Vertretung in politischen Gremien, an die gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, an die vielen ungeschützten Teilzeitjobs, ich denke an die Alters-Armut, die voll die Frauen trifft. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Frauenzentrum Waiblingen e. V. (initiiert von über 100 Waiblinger Frauen) als Forum für Frauen, es will die Vernetzung von Fraueninitiativen voran-treiben, es bietet Frauen eine Plattform, sich kulturell (von Frauen für Frauen) und frauenpolitisch darzustellen, es will die Frauen und ihre Interessen bestärken und/oder es ist ganz schlicht offen für Frauen, die einfach vorbeikommen wollen.

Fellbach hat eine Frauenbeauftragte, Schorndorf auch, Backnang hat sein Frauenzentrum LILI. Seit rund einem Jahr hat Waiblingen, die große Kreisstadt, endlich sein Frauenzentrum FraZ. Weit „preiswerter“ als eine Frauenbeauftragte. FraZ erfüllt - so sehe ich es - somit eine kommunale Aufgabe! Wie sagte doch die Frauenbeauftragte der Stadt Schorndorf zum Waiblinger FraZ: Hier wird echte Kontakte- und Basisarbeit geleistet. Gemeinderat und Verwaltung sollen, sagte sie, diese junge Pflanze hegen und pflegen.

Elfriede Becker
Marienstraße 22, Waiblingen

WKZ 28.9.1996 Soziale Aufgabe, kein Platz zum Tratschen

Soziale Aufgabe
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 28.9.1996 

Soziale Aufgabe, kein Platz zum Tratschen

Gemeinderatsvisite im Frauenzentrum FraZ, OB: „Geld gut angelegt“ / 113 Mitglieder, Cafébetrieb, Gruppenarbeit

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Benkert

Der Raum ist klasse, voller Blick auf die Fußgängerzone - da ruft man einfach mal runter, he, kommt rauf Mädels, auf einen Kaffee oder einen Eisbecher FraZ. Und manchmal werden aus Café-Gästen gleich Mitglieder, einfach, weil im Frauenzentrum die Atmosphäre stimmt. Wohlgefühlt hat sich auch der Gemeinderat.

Und der durfte sogar mit Männern rein - „wir freuen uns, daß Sie gekommen sind“, begrüßte die FraZ-Vorsitzende Sigrid Krügel ganz speziell das andere Geschlecht „sonst sind wir da ja etwas eigen“. Der OB blieb denn auch erstmal respektvoll im Vorraum stehen und traute sich gar nicht weiter ins Café oder die beiden Gruppenräume „ohne daß mich jemand begleitet“. „Sie dürfen“, erlaubte augenzwinkernd FraZ-Mitglied Kristine Zilian - schließlich ging‘s hier auch darum, Rätinnen und Räte von der Notwendigkeit weiterer Zuschüsse zu überzeugen.

Kein Problem: Im neuen Frauenzentrum, seit einem halben Jahr über Villinger-Zeller in der Langen Straße 24 logierend, ist schwer was los. Das hübsch ausstaffierte Cafè zum Beispiel, meist erste Anlaufstelle für Newcomerinnen, hat jeden Donnerstag von 16 bis 22 Uhr offen und jeden Samstag von 11 bis 14 Uhr, außerdem jeden dritten Sonntag im Monat von 11 bis 14 Uhr beim großen Frauenfrühstück (nächster Termin: 20. Oktober). Bewirtet wird reihum im Ehrenamt, 25 Frauen sind ständig im Dienst, 15 schaffen als Springerinnen. Das Angebot bewegt sich laut Edith Roßknecht vom Arbeitskreis laufender Betrieb „zwischen Marktpreis und Selbstkostenpreis“. Der FraZ-Eisbecher (drei Kugeln Vanilleeis, Eierlikör, Schokostreusel und Eiswaffel) kostet 6,50 Mark, ein Stück Kuchen 2,50 Mark, das Glas Wein vier Mark.

25 Frauen sind ständig im Dienst, 15 Schaffen als Springerinnen

Sämtliche FraZ-Nebenkosten, zwischen 400 und 500 Mark im Monat, werden laut Claudia Seibold durch diesen Cafébetrieb erwirtschaftet. Die Kaltmiete von 1400 Mark für 120 Quadratmeter beste Altstadtlage indes „springt sicher noch lange nicht raus“. Bisher ist sie von der Stadt übernommen worden, FraZ hofft darauf, daß der Zuschuß weiterläuft. Dafür kann man auch einiges vorweisen: von 37 Gründungsmitgliedern auf inzwischen 113 geklettert mit weiter starker Wachstumstendenz, dazu eine bemerkenswerte Gruppenarbeit. Nicht zuletzt sie, so sagt‘s Kristine Zilian, hat dem Fraz „zu einer wichtigen, sozialen Funktion für diese Stadt verholfen“.

Nix da von wegen „was brauchen die Frauen denn extra Räume zum Tratschen“, Allein neun Gruppen treffen sich regelmäßig in der Langen Straße 24 und es ist vor allem vormittags noch Kapazität frei. Die Frauengeschichtswerkstatt von Angela Dietz ist ebenso ein FraZ-Eigengewächs wie die Gestaltungsgruppe (vom Salzteiggebäck bis zur Dichterlesung) von Conny Lang-Müglich und die Gesprächsrunde „Anstiftung zum Feminismus“ von Maria Kick. Dazu kommen von außen gegen eine geringe Beteiligung an den Nebenkosten zum Beispiel eine Montessori-Krabbelgruppe, eine griechische Frauengruppe, der Arbeitskreis sozialdemokratischer Frauen oder eine Schwangerengruppe.

Gern anbieten würde Sigrid Krügel auch spezielle Beratungen - für Frauen in Scheidung oder auch andere Problemkreise, doch das sei momentan nicht leistbar. Ohnehin werden 70 Prozent des Programms (Quilt- das Wochenende, Spaghettiessen, Feldenkrais) von engagierten Mitgliedsfrauen gemacht. Weitere sind willkommen eben Frauen, „die bestimmte Themen bei uns anbieten können“. Auch hier hofft man aufs Schneeballsystem, eine Frau sagt‘s der nächsten -so wächst das FraZ, und auch die Aktiven wachsen mit. Sigrid Krügel: „Man kann mit dem hier groß werden, man wird nicht plötzlich reingeschmissen“.

Große Sprünge freilich sind nicht drin. Die 5 000 Mark Investitionszuschuß der Stadt sind längst materialisiert - stecken in der Küche, im Geschirr, im Mobiliar, alles arrangiert nach dem Motto „aus wenig viel gemacht“. Deshalb sind angesichts der knappen 40 Mark Jahresbeitrag auch Spenden stets willkommen. Spendenbescheinigungen, so informierte FraZ-Mitglied Sabine Raetzel, gibt‘s dafür direkt bei der Stadt. Weil indes so viele Frauen aktiv seien im Verein, „ist das Spendenaufkommen bis-her nicht so üppig“. Klar: wer schafft, will nicht auch noch zuzahlen. Im Übrigen: Spenden dürfen auch Männer.

„Ich habe den Eindruck, daß das Geld, das wir zur Verfügung stellen, gut angelegt ist“, lobte OB Dr. Schmidt-Hieber zwischen beeindruckten Räten (SPD-Chef Riedel: „Das ist ja eine Sache fürs City-Marketing“) und krabbelnden Kindern. Ins FraZ, so ließ man sich weiter informieren, kommen Frauen zwischen 25 und 70 Jahren mit Schwerpunkt 30 bis 60 Jahre. Ausreißer sind möglich wie Claudia Seibolds mit Wonne herumgereichte Zwillinge Clara und Daniela, gerade mal zwölf Wochen alt.

FraZ-Frauen sind im Übrigen arbeitslos und angestellt, selbständig und beamtet eben Frauen querbeet und das nicht nur aus Waiblingen sondern von Fellbach bis Backnang. Wer jetzt Lust gekriegt hat, soll einfach mal kommen - die Tür ist offen zu den genannten Zeiten, wenn nicht: einfach klingeln.

Der Gemeinderat jedenfalls weiß jetzt Bescheid - bloß nicht die Herren von CDU und DFB. Keiner von denen ließ sich am Freitag blicken. Probleme mit den Frauen, oder was?

Bildunterschrift:

Männer willkommen, ausnahmsweise: Der Gemeinderat schaute am Donnerstag bei den Fraz-Frauen rein- und war beeindruckt, Gefehlt haben allerdings die Männer von CDU und DFB -warum wohl? Bild: Züm

StKu 18.4.1996 „Loser Treff ausschließlich für Frauen“

Frauenzentrum Waiblingen
Zeitungsartikel als Text

Stauferkurier 18.4.1996  

Von der Idee „Frauencafé" zum eingetragenen Verein „Frauenzentrum Waiblingen“

Loser Treff ausschließlich für Frauen

Aus der Idee, in Waiblingen ein Café nur für Frauen einzurichten, ist inzwischen ein eingetragener Verein, „Frauenzentrum Waiblingen“,,,FraZ“ genannt, entstanden. Seit Mitte März diesen Jahres hat das FraZ Räume im ersten Stock in der Langen Straße 24 bezogen. Sigrid Krügel, Erste Vorsitzende, und Claudia Seibold, Zweite Vorsitzende des Vereins, sind Ende März zu Gast im Frauenbeirat der Stadt Waiblingen gewesen. Wie sie betonten, sei der Treffpunkt ausschließlich für Frauen gedacht.

Sigrid Krügel stellte das Info-Blatt des FraZs, in dem das Frauenzentrum seine Ziele erklärt und andere Informationen gibt, den Mitgliedern des Frauenbeirats vor und stieß damit auf großen Anklang. Sie berichtete, daß sich die ursprüngliche Konzeption eines reinen „Frauencafés“ hin zu einem Zentrum für verschiedenste Frauengruppen verändert habe. Donnerstags und freitags sei das Frauencafé von 15 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, als „loser Treff“ für Frauen aller Generationen und Nationen, erklärte die erste Vorsitzende. Samstags sei das Café von 10 Uhr bis 13 Uhr offen.

Etwa 30 bis 35 Frauen seien in diesem Bereich engagiert. Der Verein zähle derzeit etwa 100 Mitglieder; der Mitgliedsbeitrag liege bei 40 Mark im Jahr; auch Ermäßigungen für Schülerinnen, Studentinnen, Azubis, Rentnerinnen Arbeitslose oder Alleinerziehende, sind möglich. Zusätzlich zum Café-Betrieb hätten sich schon verschiedene Arbeitskreise gebildet, die sich den Interessen der Teilnehmerinnen widmen.

Der Beschluß, das Frauenzentrum nur Frauen vorzubehalten sei „konspirativ“, meinte Oberbürgermeister Dr. Schmidt-Hieber bewußt provozierend. Derzeit gelte dieser Beschluß, der aber je nach Wunsch der Frauen geändert werde könne, so Sigrid Krügel. Claudia Seibold, ergänzte, dem Beschluß, das Frauenzentrum von Frauen für Frauen einzurichten sei eine lange Diskussion vorausgegangen. Zudem sei es in sich schlüssig, daß an einem Ort, an dem sich Frauen ungezwungen treffen möchten, diese auch unter sich bleiben wollen.

Stadträtin Dörrfuß, selbst Mitglied im Frauenzentrum, sagte, bei der Mitgliederversammlung sei deutlich zum Ausdruck gekommen, daß Frauen einen Treffpunkt an dem sie geschützt und nicht in Frage gestellt werden. Ein Tag der offenen Tür für alle, auch für Männer, könnte zeigen, daß es sich um keine „konspirative“ Vereinigung handle.

Grundsätzlich sollten sich alle Frauen jeden Alters angesprochen fühlen, antwortete Sigrid Krügel auf die Frage des Oberbürgermeisters. Derzeit seien Frauen im Alter von 25 Jahren bis 75 Jahren dort aktiv. Die Gruppe der jungen Frauen und die der ausländischen Mitbürgerinnen sei noch nicht vertreten.

Positiv äußerte sich Stadträtin Dörrfuß über die Gestaltung und den Inhalt des Programms. Sie regte jedoch an, die Öffnungs-zeiten des Frauencafés samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr zu verändern, da um diese Uhr-zeit meist der Einkauf auf dem Programm stehe. Solche und andere Punkte müßten sich entwickeln, meinte Sigrid Krügel. Claudia Seibold schlug vor, da sich nun der Vorstand des Frauenzentrums dem Frauen-beirat vorgestellt habe, könne sich im Gegenzug dieser im Frauenzentrum vorstellen oder dort gar etwas veranstalten.

red

WKZ 30.3.1996 „Konspirativ“ im FraZ?“

Konspirativ im FraZ?
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 30.3.1996 

„Konspirativ“ im FraZ?

Thema Männer im Frauenbeirat

(sus).

Keine Männer im FraZ! – „Des gfällt mir net“, meinte OB Schmidt-Hieber und fügte schmunzelnd hinzu, „das halt ich für ‚konspirativ‘ - sprich: verschwörerisch-, um‘s mal ganz provokativ zu sagen“. Sigrid Krügel, und Claudia Seibold, Erste und Zweite Vereinsvorsitzende des FraZ, waren zu Gast im Frauenbeirat.

Das Frauenzentrum sei doch nichts anderes als die Männerrunden des „Lions-Club“, oder studentischer Verbindungen, so Claudia Seibold, Zweite Vorsitzende des FraZ. „Auf den Lions-Club trifft das nicht mehr zu“, entgegnete der OB und bohrte später nach: „Sind Männer vielleicht als passive zahlende Mitglieder gefragt?“. Nein, Männer bleiben draußen! da ist das FraZ konsequent. „Wenn in einem Jahr das Bedürfnis besteht sich zu öffnen, dann kann man die Satzung ja ändern“, ergänzte die Erste Vereinsvorsitzende Sigrid Krügel gelassen, „momentan besteht dieser Wunsch jedoch nicht.“ Gemeinderätin Dörrfuß machte einen Vorschlag zur Güte: „Sie können ja einen Tag der offenen Tür veranstalten, damit die Männer die Räume besichtigen können..“

Kritik übte Dörrfuß an der Öffnungszeit des FraZ-Cafés. „Welche Frau hat denn schon samstags von 10 bis 13 Uhr Zeit?“. „Sicherlich sind einige Verbesserungen nötig“, entgegnete Sigrid Krügel, aber jetzt sei erst mal „der Einstieg wichtig“.

95 Mitglieder im Alter von 25 bis 70 Jahren hat der Verein, so Krügel. Den Jahresmitgliedsbeitrag von 40 Mark fand der OB dann doch etwas „niedrig“. Er wollte wissen, ob sich das FraZ denn in absehbarer Zeit selbst tragen könne. „Das wird wohl noch ein Weilchen dauern“, entgegnete Seibold. Aus dem Cafébetrieb soll ein Umsatz von 400 Mark pro Monat erwirtschaftet werden, rechnete Sigrid Krügel vor, - mehr wäre zwar schön, „aber man will für das Viertele ja keine 6,50 Mark verlangen“.

Neben Café und, „sozio-kulturellem“ Programm mit „Konzerten, Ausstellungen, Lesungen oder Arbeitskreisen“ sollen sich auch Frauengruppen im FraZ treffen können. Die Selbsthilfegruppe von Frauen, die in der Kindheit mißbraucht wurden, sei so ein Beispiel, ebenso wie Gruppen für Alleinerziehende oder Schwangere, berichtete Sigrid Krügel. Ziel sei es, daß sich „die Frauen im Zentrum finden“.

„Jede Menge Anfragen“, so Claudia Seibold, gäbe es von seiten verschiedener Krabbelgruppen und von der Kreisjugendpflege. „Wollen Sie sich nicht mal im FraZ vorstellen?“, richtete sie eine Einladung an den Frauenbeirat. „Das geht nicht, dann wäre der Rat ja kopflos“, meinte Schmidt-Hieber – „nicht kopflos, nur vorsitzlos!“ korrigierte Beate Dörrfuß schnell.

WKZ 11.3.1996 „Die Stadt kann stolz sein auf ihre Frauen“

Einweihung Frauenzentrum FraZ
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 11.3.1996  

„Die Stadt kann stolz sein auf ihre Frauen“

Am Samstag war Einweihung im Frauenzentrum FraZ in der Lange Straße / Bilder von Conny Lang-Müglich

Von unserem Redaktionsmitglied Jutta Pöschko

Beim Antrittsbesuch der Frauen war OB Schmidt-Hieber noch zurückhaltend. In Waiblingen gebe es schon genügend Vereine, sagte er den Vertreterinnen des gerade gegründeten Frauenzentrums. „Das“, sagte Vorsitzende Sigrid Krügel, ,,haben wir uns zu Herzen genommen. Männer haben keinen Zutritt. Seitdem klappt‘s.“ So gut, daß die Frauen ihr „FraZ“ nun endlich einweihen konnten.

Ausgerechnet ein Mann war‘s indes laut Stadträtin Charlotte Peters, der für das Frauenzentrum den ersten Anstoß gegeben hat. „Ali-Rat Gutheinz hat 1993 im Frauenbeirat des Gemeinderats bemängelt, daß es in Waiblingen kein Frauencafé gibt“, sagte die Rätin beim Frauenfest am Samstag in ihrem Rückblick. Von da nahmen‘s die Frauen selber in die Hand Ehrensache. Inge Rosenke von der Familienbildungs-stätte (FBS) - frauenbewegt, energisch und mit der nötigen Infrastruktur ausgestattet sprang den Stadträtinnen zur Seite („von der bekamen wir Rückenwind, Stärke zehn“): Die Gründungsversammlung im Juni 1994 mit 100 Frauen fand in der Familienbildungsstätte statt, zwei Monate später bildeten sich schon Arbeitskreise. Bei den Namensvorschlägen („Waiblinger Frauen-café“ eher konservativ, „Hexenkessel“ provokativ, „Kassandra“ mythologisch, „Kaffeekränzchen“ ironisch, und „Insel“ und, „Oase“ sehnsüchtig...) machte dann Fraz das Rennen. Trotz Bedenken von Stadträtin Sabine Raetzel: „Sie fand“, erinnert sich Charlotte Peters,“FraZ - der FraZ -sei zu männlich.“

Was ein echtes Frauenzentrum sein will, braucht indes eigene Räume - Mangelware in Waiblingen. Groß, hell, zentral gelegen sollten sie sein: genau wie die in der Lange Straße 24, wo die FraZ-Frauen schließlich eingezogen sind. Davor war freilich eine Menge „Überzeugungsarbeit im Gemeinderat“ nötig: „Denn ohne die Übernahme der Mietkosten wäre das Ganze zum Scheitern verurteilt gewesen“, so Charlotte Peters. Das grüne Licht aus dem Gemeinderat führt Peters auch darauf zurück, wie die FraZ-Frauen die heimatlose Durststrecke durchgestanden haben: „voller Aktivitäten“ nämlich.

„Die Stadt kann stolz sein auf ihre Frauen“ so sieht‘s zumindest FBS-Leiterin Inge Rosenke. Mit einer Menge Eigeninitiative hätten sich die Frauen einen Ort geschaffen, wo „sie einfach mal hingehen können, einen Ort, der relativ geschützt ist, wo man sich gern aufhält“. Bedeutsam auch für die Identifikation der Frauen mit der Stadt: „Damit wird die Stadt meine Stadt.“ Im neuen FraZ sollen sich Frauen indes nicht nur ausruhen, sondern auch „präsentieren können“, sollen „Frauenprodukte öffentlich gemacht werden“.

„Weibliche Figur“ ist denn der Titel der ersten Ausstellung in den neuen Räumen. Conny Lang-Müglich zeigt Werke in Acryl auf Papier, Holz und Leinwand. Was die 36jährige darstellt, ist die andere Seite der Frau. Die Frau als Kriegerin, Erdmutter, Priesterin und Künstlerin. Rare Themen in der bildenden Kunst. „Frauen müssen in der Kunstgeschichte schon sehr weit zurückgehen, um nicht als Ausgebeutete, sondern als schöpferische Macht dargestellt zu sein“, sagte Angela Dietz in ihrer Einführung. Ausgereifte Körper und weibliche Seelen seien nicht erwünscht. Allgegenwärtig stattdessen die Bilderflut vom schlanken Mädchen - ein Diktum, dem sich‘s zu entziehen gar nicht so leicht ist. Anders in den Bildern von Cornelia Lang-Müglich: Da werden die „ganzen Frauen beschworen, die die Würde ausstrahlen, nach der wir uns sehnen“.

FraZ macht Programm

Und so sieht das Programm der folgenden Wochen im Frauenzentrum aus: „Frauen. zurück an den Herd oder hinaus ins feindliche Leben“ ist der Titel einer Diskussion mit Politikerinnen vor der Landtagswahl am Mittwoch, 20. März, um 20 Uhr. „Frauenzentren - Frauen im Zentrum“ heißt es am Dienstag, 16. April, um 20 Uhr. Zu Gast sind Vertreterinnen anderer Frauenzentren. Eine Frauendisko ist am Freitag, 26. April, um 20 Uhr angesagt. Den gemeinsamen Frauenschwof mit dem Jazzclub Armer Konrad gibt‘s im Beutelsbacher Stiftshof Am Dienstag, 30. April, um 20 Uhr, ist Walpurgisnacht.

Bildunterschrift:

Bei der Einweihung des Frauenzentrums in der Lange Straße spielte das ,,Rondo Mamamia“. Nach dem offiziellen Teil wurde gefeiert. Bilder: Zürn

Wochenblatt 7.3.1996 Das Waiblinger Frauenzentrum wird eröffnet

Eröffnung Frauenzentrum FraZ
Zeitungsartikel als Text

Wochenblatt 7.3.1996  

Das Waiblinger Frauenzentrum wird eröffnet

Das erste Waiblinger Frauenzentrum (FraZ), Lange Straße 24, öffnet seine Pforten. Am Wochenende, 9. und 10. März, werden die Räume im 1. Stock über Villinger-Zeller eingeweiht. Zum Auftakt gibt's am Samstag um 17 Uhr eine Vernissage der Waiblingerin Conny Lang-Müglich (Bild). Die rund 30 Arbeiten der 36jährigen auf Papier, Holz und Leinwand unter dem Titel „Weibliche Figur“ zeigen „die andere Seite der Frau“: Kriegerin, Erdmutter, Priesterin und Künstlerin. Anschließend wird gefeiert. Am Sonntagmorgen dann, 11 Uhr, gibt‘s für alle Interessierten Brunch mit klassischer Musik. Das erste FraZ-Halbjahresprogramm sieht außerdem am Mittwoch, 20. März, um 20 Uhr eine Veranstaltung zur Landtagswahl vor, wenn Politikerinnen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutieren.

WKZ 8.1.1996 Ein frischer Anstrich für das Frauenzentrum

Renovierung Frauenzentrum FraZ
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 8.1.1996  

Ein frischer Anstrich für das Frauenzentrum

FraZ-Frauen sind zur Zeit dabei, ihr neues Domizil in der Langen Straße zu renovieren / Eröffnung im März

Von unserer Mitarbeiterin Ines Treffler

Es riecht nach frischer Farbe, und die Gesichter der Malerinnen sind mit weißen Spritzern übersät. Anstrich im neuen Domizil des Frauenzentrums FraZ ist angesagt. Die Frauen sind mit Eifer dabei. Den brauchen sie auch. Denn: Anfang März sollen die Räume in der Langen Straße eröffnet werden und bis dahin gibt‘s noch viel zu tun.

Seit neun Uhr morgens sind die Frauen am Samstag auf den Beinen, streichen und pinseln die Wände der Wohnung in der Langen Straße ganz in Weiß Stadträtin Brigitte Scheder ist zuversichtlich: „Wir kommen ganz gut voran mit den Renovierungsarbeiten“. Bis Anfang Februar wollen die Frauen mit Streichen fertig sein. Deswegen gibt‘s bei den wöchentlichen Dienstagstreffs vorläufig kein Programm, sondern gemeinsames Arbeiten ist angesagt. Für die Frauen kein Problem. „Es haben sich sogar zwei Helferinnen gemeldet, die vorher noch nie bei uns waren“, freut sich Edith Rossknecht

Seit seiner Gründung vor gut einem Jahr hatte der Frauenverein für eigene vier Wände gekämpft. Seither trafen sich die Frauen einmal in der der Woche in der Altenbegegnungsstätte Ulrich-Herzog-Haus. Der Dienstagstreff von Anfang an eine Übergangslösung, denn das FraZ wollte eine eigene Bleibe, eigene Räume für ein vielseitiges Programmangebot.

Um so mehr sind die Frauen jetzt froh über ihr neues Domizil in der Langen Straße über dem Hausratsgeschaft Villinger-Zeller. „Die Lage und die Größe der Wohnung sind ideal“, sagt Claudia Seibold, die zweite FraZ-Vorsitzende. Ein Treffpunkt für die verschiedensten Frauengruppen soll das Fraz laut Elfriede Becker werden. Alle Frauengruppen, von den kirchlichen bis zu den ausländischen, von den Mädchen- bis zu den Landfrauengruppen sollen hier unter einem Dach leben.

Die vorläufige Raumeinteilung der Drei-Zimmer-Wohnung, die 115 Quadratmeter groß ist und bisher als Beratungsbüro der Griechischen Gemeinde zur Verfügung stand, sieht eine vielfältige Nutzung vor. Im größten der drei Räume will das Fraz Kurse, Workshops und Kinoabende veranstalten. In einem weiteren Teil entsteht ein Frauencafé mit separatem Raucherinnenbereich. Auch für Mütter mit Kindern wird genügend Platz sein.

Das Interesse am Fraz ist groß. Immerhin hatte der Verein bei seiner Gründung aus dem Stand heraus 100 Mitglieder, so Elfriede Becker. Damit hatten Becker. Damit hatten die Vereinsgründerinnen nicht gerechnet, und sie sind stolz darauf. „Welcher Verein hat schon spontan so viele Mitglieder“. Vor dem Fraz sei gar nichts angeboten worden in Waiblingen, da hätten sich die Frauen in Kneipen oder privat getroffen, meint Claudia Seibold, die davon ausgeht, daß die Wohnung im Februar eingerichtet werden kann. Gut gebrauchen können die Frauen hierfür noch Möbelspenden. Am Wochenende nach dem Internationalen Frauentag am 8. März soll das Frauenzentrum in der Langen Straße eröffnet werden. „Das ist doch ein sehr schönes Datum“, findet Elfriede Becker. Bis dahin sollen bunte Bilder die frisch gestrichenen Wände schmücken.

Bildunterschrift:

Frauen ziehen an einem Strang: Voller Eifer sind die Frauen vom Waiblinger Frauenzentrum FraZ zur Zeit dabei, ihre neuen Räume in der Langen Straße, nach denen sie lange gesucht haben, auf Vordermann zu bringen. Bild: Bernhardt

WKZ 12.12.1995 Frauenzentrum überm Hausratsgeschäft

Eröffnung Frauenzentrum FraZ
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 12.12.1995  

Frauenzentrum überm Hausratsgeschäft

Neue Räume in der Langen Straße gefunden / Stadt bezahlt Investitionzuschuß und im ersten Jahr die Miete

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Blocher

Die neue Bleibe des Frauenzentrums über dem Hausratsgeschäft in der Langen Straße ist Zufall, die Lage freilich hat ihren Reiz: zentral gelegen, dennoch leicht erreichbar. Nicht nur die Frauen können davon profitieren, sondern der Standort auch vom Frauenzentrum: Die SPD prophezeit eine Belebung der Innenstadt.

„Die Außenwirkung trägt zusätzlich zur Innenstadtbelebung bei“, argumentierte Stadträtin Maria Schmidt in der Etatdebatte und versuchte damit, dem Gemeinderat den SPD-Antrag schmackhaft zu machen. Das Frauenzentrum in den neuen Räumen soll mit einem 5000-Mark-Investi-tionszuschuß unterstützt werden. - Zudem hat das Frauenzentrum selbst einen Mietzuschuß beantragt. - Zwar habe das Frauenzentrum, so die SPD, bisher als Gast in der Altenbegegnungsstätte Ulrich-Herzog-Haus, viel Eigenleistung zugesagt und wolle mit gebrauchtem Inventar beginnen, dennoch bleibe ein Aufwand, der vom Verein nicht aufgebracht werden könne. Daß ihm geholfen werden muß, ist für die SPD keine Frage. Er habe in den vergangenen Monaten bewiesen, „daß eine Einrichtung wie das Fraz in Waiblingen dringend erforderlich war“

Hanns-Horst Hölder: „Wir unterstützen was Vernünftiges“

Daß das auch die anderen Fraktionen im Gemeinderat so sehen, zeigte die große Mehrheit für den Zuschuß. „Wir unterstützen was Vernünftiges“, so DFB-Fraktionschef Hanns-Horst Holder, der sich mit seinen anderen DFB-Mannen freuen würde, mal ins neue Frauenzentrum eingeladen zu werden. „Sehr schwer getan“ hat sich laut Dr. Siegfried Kasper, die CDU-Fraktion. Doch will auch sie der „jungen Vereinigung zum Durchbruch verhelfen“.

Keine Chance hätte der ursprüngliche Antrag der SPD gehabt, 15 000 Mark Zuschuß zu bezahlen. Sie hatte sich auf eine Forderung des Frauenzentrums gestützt. Wäre es nach diesem gegangen, hätte die Stadt in ihrem Etat zusätzlich zum Investitionszuschuß 24000 Mark Mietzuschuß einkalkulieren sollen, wiewohl die Jahresmiete 16800 Mark beträgt. Einstimmig gebilligt wurde die Übernahme der Jahresmiete. Ein Präjudiz für nächstes Jahr sei dies nicht, darauf legte OB Dr. Schmidt-Hieber wert, der sich mit den Zuschüssen ohnehin schwer getan hat und lieber nur 2500 Mark für Investitionen zugeschossen hätte. So bald wie möglich müsse das Frauenzentrum die Miete selbst bezahlen.

Neue Räume werden nicht mehr als reines Frauencafé genutzt

Lange hatte der Verein Frauenzentrum Waiblingen nach Räumen für ein Frauencafé gesucht und schließlich in der Alten Begegnungsstätte eine vorläufige Bleibe gefunden. Das neue Frauenzentrum in der Langen Straße 24 wird jetzt „nicht mehr das reine Frauencafé“, so Vereinssprecherin Sigrid Krügel. Die Entwicklung sei in eine andere Richtung gegangen. Die Wohnung im Haus Villinger-Zeller, seit langem nicht mehr als solche genutzt, sondern als Beratungsbüro der Griechischen Gemeinde, ist 115 Quadratmeter groß und hat drei Zimmer. Das größere eignet sich zum Beispiel für Krabbelgruppen, die anderen für Arbeitskreise und ähnliches.

Bildunterschrift:

Mitten in der Altstadt, im ersten Stock über Villinger-Zeller, wird das Frauenzentrum Waiblingen eingerichtet. Bild: Zürn

WKZ 30.1.1995 1. Waiblinger Frauenfest zur Gründung vom FraZ

1. Waiblinger Frauenfest zur Gründung vom FraZ
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 30.1.1995  

Bloß nicht bescheiden wie's Veilchen im Moose

1. Waiblinger Frauenfest zur Gründung vom FraZ / Diskussion und Disco im BBW-Freizeithaus

Von unserer Mitarbeiterin Christine Gehr

„Die do isch bestimmt a Emanze“, soll ein Ehemann kritisch die einströmenden Besucherinnen beäugt haben, als er seine Angetraute zum 1. Waiblinger Frauenfest im Freizeithaus des Berufsbildungswerks begleitet hat. Bis vor die Tür, natürlich. Dort war Endstation für den Herrn der Schöpfung. Ein ganzer Samstag unter sich - die Frauen genossen ihn in vollen Zügen. Und dem mißtrauischen Gespons sei's gesagt: Auf dem Besen ist keine geritten, und Dosenwerfen auf Männerfiguren stand nicht auf dem Programm. Dafür Diskussionen und Disco, Bauchtanz, Kabarett und Infos über den Frauenverein FraZ, der am Samstag sein 130tägiges Bestehen feierte.

Iris Braun: „Wir haben ein enormes kreatives Potential“

Richtig „geschuftet“ haben die mittlerweile 76 FraZlerinnen, um ihre Gründungsfete auf die Beine zu stellen. „Wir haben hier ein enormes kreatives Potential“, urteilt Erste Vorsitzende Iris Braun und freut sich über die Resonanz, die das Fest unter den Waiblinger Frauen insgesamt gefunden hat. „Ich habe mit 100 Besucherinnen gerechnet, aber wir lagen weit, weit drüber

Kontakte zu knüpfen, stand ganz oben auf der Wunschliste der Besucherinnen. Kontakte zunächst unter den FraZ-Frauen (Braun: „Wir kennen uns ja selbst noch gar nicht richtig“) Kontakte zu anderen Frauengruppen, internationalen und kirchlichen etwa, Landfrauen oder Gewerkschaftsfrauen, die am Samstag Informationsmaterial verteilten. Rosemarie Dolschon, 55, freut sich nicht nur übers Stuttgarter Laien-Kabarett „Die Moritanten“, sondern vor allem darüber, daß sie sich mit anderen Frauen austauschen kann. „Wenn sie unter sich sind, trauen sich Frauen eher zu diskutieren. Ich geh wieder hin, wenn Gelegenheit dazu ist.

Die Gelegenheit für einen festen Treffpunkt ist günstig wie nie zuvor. Der Dauerbrenner in der Diskussion ums Frauencafé, das städtische Gebäude Karlstraße 20/1, kriegt Konkurrenz. „Sehr viele Räume werden im Moment frei, wir haben einige private Objekte ausgeguckt“, sagt Iris Braun, die ihre Karten aber noch nicht auf den Tisch legt. „Wir sind in Verhandlungen.“

Ihr Café brennt den FraZ-Frauen besonders unter den Nägeln. Bei der Diskussion am Nachmittag werden Wunschzettel geschrieben und aufgehängt, Räume ist dabei ganz dick unterstrichen. „Viele Frauengruppen suchen Räume, die könnte man alle dort zusammenbringen“, erklärt Iris Braun. Mit Unterschriftenlisten wollen die Frauen den Stadtoberen jetzt Dampf machen: „Wir fordern geeignete Räumlichkeiten in zentraler Lage“, steht dort geschrieben.

Kunst von Frauen steht außerdem auf der Pinnwand der Wünsche, Beziehungsfragen klären, Kaffee trinken, mit Kindern willkommen sein, eine gute Streitkultur lernen. „Nein sagen lernen“, schreibt eine. Nicht so sein wie jene Weibchen, die die „Moritanten“ in ihren Liedern und Gedichten auf die Schippe nehmen. Jene „Töchter, erzogen im Patriarchat“, die angeblich den Eltern, dem Mann und dem Staat gehören. Oder jene, denen schon per Poesiealbum eingebleut wurde, bitteschön so bescheiden und rein zu sein wie das Veilchen im Moose. „Die Frau ist dazu da, daß sie die Kragen zählt“, zitieren Inge Letsch und Evi Dreher Tucholsky.

Als Frau natürlich Feministin: „Soll ich vielleicht ein Macho sein?“

Was wiederum nichts für Ulla Merkle wäre. Die 58jährige zählt lieber das Geld, das über den Verkaufstisch vom Eine-Welt-Laden wandert, und engagiert sich auch sonst gerne für Sachen, die es ihrer Meinung nach wert sind. Mitglied im FraZ ist Merkle zwar noch nicht. Aber für Frauenfragen interessiert sie sich trotzdem. „Mir stinkt das auch, daß man sich von Feministinnen immer so distanziert. Natürlich bin ich Feministin. Was soll ich denn sonst als Frau sein? Macho vielleicht?“

Bildunterschrift:

Hat mit Weibchen nichts am Hut: das Stuttgarter Kabarett „Die Moritanten“ Bild: Steinemann

WKZ 18.12.1994 Kein Raum, aber viele Aktivitäten

Kein Raum, aber viele Aktivitäten
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 18.12.1994  

Kein Raum, aber viele Aktivitäten

FraZ hat sich viel vorgenommen / Männer nur als Babysitter beim Gründungsfest

(krü).

Mit einem Gründungsfest am 28. Januar startet das Waiblinger Frauenzentrum FraZ sein Programm 1995. Auch wenn noch immer keine geeigneten Räume gefunden sind, an Aktivitäten soll es nicht fehlen, so das Fazit in der Mitgliederversammlung am Donnerstag. Geplant ist ein Frauentreff pro Monat.

Und wieder eine Premiere: Zur ersten Mitgliederversammlung des Vereins hatte Vorsitzende Iris Braun geladen, rund 40 Frauen waren ins Bürgerzentrum gekommen. 73 Frauen sind inzwischen Mitglied im FraZ, eine stattliche Zahl.

Das Wichtigste freilich fehlt immer noch: geeignete Räume für ein Frauencafé. Während die Mietfinanzierung durch den bewilligten 15000-Mark-Zuschuß der Stadt (wir berichteten) zum Teil gesichert ist, sind die Frauen bei ihrer Raumsuche immer noch nicht fündig geworden.

Doch auch ohne Raum sollen im neuen Jahr regelmäßige Treffen stattfinden. Denn bei 73 Mitgliedern kennt längst nicht jede jede. Und interessierten Frauen, die bislang noch nicht mitmachen, soll dadurch der erste Schritt erleichtert werden.

In Planung ist derzeit ein Gründungsfest im Freizeithaus des BBW. Der Termin: Samstag, 28. Januar, Beginn 16 Uhr. Das vorläufige Programm: Eine Vertreterin des Frauenministeriums wird über die „Lebens-, Arbeits- und Bildungssituation von Frauen in Baden-Württemberg“ sprechen. Die Frauenkabarettgruppe „Die Moritanten“ tritt um 19 Uhr auf. Danach spielt die Frauen-Rock-Band „Collage“, und zum Abschluß ist Disco angesagt. Parallel dazu werden Stände von verschiedenen Frauengruppen aus der Umgebung, Infos über FraZ sowie ein Büchertisch angeboten.

Geplant ist außerdem die Teilnahme am Internationalen Frauentag im März. Mittlerweile wurde auch ein Spendenkonto eingerichtet: Kontonummer 456587012 bei der Waiblinger Volksbank.

Und was die Männer im Frauenzentrum angeht: Der Arbeitskreis Konzeption hat inzwischen zu einem Kompromiß gefunden, der freilich noch im Plenum diskutiert werden muß. Der Vorschlag des AK Konzeption: FraZ ist ein Verein von Frauen für Frauen. Bei einzelnen Veranstaltungen werden Männer zugelassen. Beim Gründungsfest allerdings nur als Babysitter.

WKZ 14.12.1994 Erste Mitgliederversammlung

FraZ: Erste Mitgliederversammlung
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 14.12.1994  

FraZ: morgen erste Mitgliederversammlung

Zur ersten Mitgliederversammlung trifft sich der Verein Frauenzentrum Waiblingen, „FraZ", morgen, Donnerstag, 15. Dezember, um 19.30 Uhr im Studio des Bürgerzentrums. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem eine Änderung der Satzung, die Wahl von zwei Kassenprüferinnen, Berichte des Vorstandes und der Arbeitskreise. Außerdem soll die Mitgliederversammlung dazu genutzt werden, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich kennenzulernen. Weihnachtsgebäck kann mitgebracht werden, ansonsten ist, wie es in der Einladung heißt, für Bewirtung gesorgt.

WKZ 23.9.1994 FraZ - ein Frauenzentrum für Frauenzimmer

Frauenzentrum für Frauenzimmer
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 23.9.1994  

FraZ - ein Frauenzentrum für Frauenzimmer

Iris Braun an der Spitze / Ungelöst: Standort und „Gretchenfrage“

Von unserer Mitarbeiterin Christine Gehr

Das Kind ist aus der Taufe gehoben und hat jetzt einen Namen: FraZ Frauenzentrum Waiblingen e. V. heißt der neue Frauenverein - Aus für WeiberWirtschaft, Kassandra oder Kaffeekränzchen. 59 Frauen schrieben sich bei der Gründungsversammlung am Mittwoch auf die Mitgliedsliste und wählten Iris Braun zu ihrer ersten Vorsitzenden.

„Frauencafé und Kultur“ gegen FraZ erst in der zweiten Stichwahl fiel die Entscheidung zugunsten der knackigen Abkürzung, die, so SPD-Stadträtin Sabine Raetzel, zunächst einmal für den Vereinsnamen stehen soll: „Laut Satzung darf sich das Café unabhängig davon nennen.“ Klar, man kann die Namen auch koppeln. Inge Rosenke, Leiterin der Familien-Bildungsstätte: „In Stuttgart beim Frauencafé Sarah wurde das gemacht, aber das muß die Mitgliederversammlung entscheiden.“

Die per Beschluß auch weiterhin so heißen wird. Denn der Antrag von Annette Lang, den „doch sehr männlich klingenden“ Begriff des Mitglieds per Satzung durch die „Vereinsfrau“ oder „Mit-Frau“ zu ersetzen, stieß auf wenig Gegenliebe bei den Geschlechtsgenossinnen. Ingeborg Nagl-Kranzinger: „Das ist doch recht geschraubt, Mitglied ist neutral.“

„Zwei Lager“: Dürfen auch Männer ins Café oder nicht

„Förderung der Gleichberechtigung der Frau durch Begegnung, Kommunikation, Kunst und Kultur von und für Frauen“ hat sich FraZ in seine Satzung geschrieben. Wobei, beruhigt Rosenke, damit noch lange nicht die „Gretchenfrage“ gelöst sei, wie‘s die Frauen denn nun mit den Männern halten. „Zwei Lager“ erkennt Vorstandskandidatin Nagl-Kranzinger: Die einen wollten den Treffpunkt nur für Frauen, die anderen, sie selbst vorneweg, seien da „liberaler“: „Wenn mein Mann einmal pro Woche da hinkommen will, dann soll er.“

Die neue Vorsitzende Iris Braun will Männer nicht kategorisch ausschließen, aber das Angebot eben speziell und nur für Frauen zuschneiden. Die 26jährige Sozialarbeiterin, die im Marienheim Dienst tut, ist in der Waiblinger Frauenarbeit keine Unbekannte. Der Gruppe Courage gehört sie seit drei Jahren an, für die Durchsetzung einer städtischen Frauenbeauftragten ist die gebürtige Waiblingerin initiativ geworden.

Der Austausch mit den Mitgliedern ist Iris Braun und ihrer Stellvertreterin Karin Nowak, 46jährige Verlagsredakteurin, wichtig. „Nicht alles allein entscheiden“, sind sich die beiden einig. Arbeitskreise sollen laut Satzung helfen, ein „Höchstmaß an Demokratisierung“ (Rosenke) zu erreichen. Die Sprecherinnen der AKs sitzen neben Iris Braun, Karin Nowak, Kassenwartin Rose Schwenk und Schriftführerin Lisa Sproll im Vorstand.

Für 40 Mark ist frau dabei im FraZ, Schülerinnen, Studentinnen, Alleinerziehende, Arbeitslose und Rentnerinnen ausgenommen. Die dürfen schon für die Hälfte des Beitrags Mitglied werden. Susanne Jenisch, Sprecherin des AK Finanzen, wären 100 Mark lieber gewesen angesichts der ,,ausgesprochen schwierigen Finanzsituation. Im Moment hat der Verein gar kein Geld.“

Doch das FraZ hält‘s mit Sabine Raetzel und setzt auf Spenden. Wer mehr zahlen wolle als vierzig Mark, könne das auch beim Finanzamt geltend machen, nennt die Stadträtin den Anreiz zum freiwilligen Obolus. Karin Nowak will „statt in die Höhe lieber in die Breite gehen und mehr Frauen gewinnen“. Ein Café könne man außerdem gar nicht über Beiträge vorfinanzieren – „da müssen wir andere Quellen auftun“. Die Stadt, zum Beispiel.

Café nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine des Standorts

An die städtischen Entscheidungsträger wird der neue Vorstand demnächst sowieso herantreten müssen. Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um den Standort. Im Gespräch ist seit geraumer Zeit auch das frühere DRK-Heim in der Karlstraße 20 (siehe auch nebenstehenden Bericht von der Sitzung des Frauenbeirats). Dazu bezogen die Frauen vom Fraz am Mittwoch abend noch keine Stellung. „Wir werden einen Termin mit dem OB ausmachen und in die Verhandlungen eintreten“, so Iris Braun.

WKZ 22.8.1994 Weiberwirtschaft: mit oder ohne Männer?

Weiberwirtschaft: mit oder ohne Männer
Zeitungsartikel als Text

Waiblinger Kreiszeitung 22.8.1994  

Weiberwirtschaft: mit oder ohne Männer?

Gründungsversammlung am 21. September mit Vorstandswahlen / Raumfrage noch ungeklärt

(krü).

Frauencafé ,,FraZ“, „Waiblinger Weiberwirtschaft“ oder was ganz anderes - über den Namen des neuen Waiblinger Frauencafés wird am Mittwoch, 21. September, entschieden. An diesem Tag findet die Gründungsversammlung des Vereins statt. Die Frauen sind nicht mehr aufzuhalten, und ob sie auch Männer in ihr Café lassen, wird derzeit noch kontrovers diskutiert.

„Die Motivation der Frauen ist immens groß.“ Inge Rosenke, Leiterin der Familien-Bildungsstätte, zog am Ende der zweiten Frauenversammlung am Samstag das Fazit. Rund 60 Frauen in fünf Arbeitskreisen haben am Wochenende und in etlichen Treffen davor Konzeptionen diskutiert, Möglichkeiten der Finanzierung durchgespielt, sich mit dem Kulturprogramm, dem laufenden Betrieb und der Werbung beschäftigt. Und die Ergebnisse ihrer Arbeit im Frauenplenum der FBS vorgestellt.

Sinn und Zweck des Vereins Frauencafé, so der vorläufige Stand der Diskussion, ist die Begegnung. Frauen sollen miteinander ins Gespräch kommen. Zweiter wichtiger Punkt: der Aufbau eines Netzwerkes durch die Kooperation mit anderen Frauenorganisationen, Verbänden und Vereinen. Drittens: Der Verein soll die Gleichberechtigung der Frau fördern und Projekte unterstützen, die die Interessen von Frauen in der Stadt sichtbar machen.

Literatur von Frauen, Vorträge von Frauen, Filme von Frauen, Bilder von Frauen - Frauen sind in allen Kultursparten aktiv und sollen im Frauencafé ein entsprechendes Forum finden. Gedacht ist außerdem an die verschiedensten Frauengruppen: Es soll Treffs für Alleinerziehende geben, für Handwerkerinnen, für Frauen verschiedener Nationalitäten, für diejenigen, die über feministische Theorien diskutieren wollen, je nach Bedarf. Wünschenswert ist außerdem eine Infobörse zu den Bereichen Beruf und Gesundheit sowie ein monatlich wechselndes Schwerpunktthema.

Vegetarisch und vollwertig soll das Essen im Frauencafé sein. Plädiert wurde außerdem für klare Öffnungszeiten. Denkbar beispielweise: montags bis samstags 11 bis 23 Uhr. Ob sich dies realisieren läßt, soll der zuständige Arbeitskreis klären. Rund 50 Frauen, so eine erste Erhebung, sind bereit, stundenweise und ehrenamtlich im Café mitzuarbeiten. Ein Personalstamm, mit dem sich einiges auf die Beine stellen läßt.

Ob die Damen freilich auch Herren bedienen, wird die Mitgliederversammlung entscheiden. Bei diesem Thema gehen die Meinungen weit auseinander. „Stärke zeigen und auch Männer ins Frauencafé lassen“, argumentieren die einen. „Das Frauencafé muß ein Raum sein, in dem sich Frauen ohne Männer austauschen können“, sagen die anderen. Und dazwischen gibt es den pragmatischen Flügel, der eh nicht glaubt, daß sich ein Mann ins Frauencafé traut. „Und wenn sich wirklich mal einer hierher verirrt, soll er halt seinen Kafee trinken dürfen.“

In der Gründungsversammlung am 21. September, 20 Uhr (der Ort steht noch nicht fest), wird auch über den Namen abgestimmt. Für Frauencafé oder auch Frauenzimmer steht „FraZ“. „Weiberwirtschaft“ ist die etwas derbere Variante. Weitere Vorschläge sowie Frauen, die noch mitmachen wollen, sind jederzeit willkommen beim Waiblinger Frauencafé. Das gleiche gilt für Raumvorschläge. Auch hier sind die Frauen noch auf der Suche. Nach dem 21. September wird der Vorstand, der bis dahin gewählt ist, Verhandlungen aufnehmen. Immer noch im Gespräch ist das Ulrich-Herzog-Haus.

Bildunterschrift:

Arbeitsfrühstück in der FBS. Bild: Steinemann



Siegerfoto von Maria Czabon

Siegerfoto des Fotowettbewerbs 1997 von Maria Czabon